Kleidergeschäft

Neueste Trends für viele werden nur erschwinglich, wenn sie in Massen hergestellt werden. Das birgt das Risiko von Überproduktion.

20. Juli 2026 / 08:07 Uhr

Nächstes Bürokratiemonster: Brüssel reguliert unverkaufte Mode

Die EU-Kommission geht davon aus, dass in Europa ein Anteil zwischen vier und neun Prozent der nicht verkauften Textilien vor ihrem ersten Einsatz vernichtet wird.

Bürokratie statt Angriff auf Fast Fashion

Zu viel im Sinne der Nachhaltigkeit. Und wie so oft, antwortet Brüssel mit neuen Vorschriften. So dürfen ab heute, Montag, große Unternehmen unverkaufte Bekleidung und Schuhe nicht länger routinemäßig beseitigen. Stattdessen sollen sie die Waren erneut vermarkten, an soziale Einrichtungen weitergeben oder für andere Zwecke aufbereiten.

Und um den Widerstand klein zu halten, gelten die Bestimmungen für kleinere Unternehmen erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Ein nachvollziehbares Ziel

Pro Kopf werden in Europa jährlich im Schnitt rund 19 Kilogramm Textilien gekauft. Doch das Angebot ist größer, weshalb unverkäufliche und unverkaufte Produkte verramscht werden müssen. Künftig nur noch unter Brüssels Vorgaben, was einen erheblichen organisatorischen Aufwand nach sich ziehen wird. Händler müssen künftig genauer prüfen, welche Ware noch verwertbar ist, wohin sie gehen kann und warum einzelne Stücke dennoch entsorgt werden müssen.

Neues Bürokratiemonster

Ausnahmen vom Vernichtungsverbot sind vorgesehen – etwa bei beschädigten, verunreinigten oder sicherheitsrelevanten Produkten.

Der Nachweis kostet Zeit und Geld, der wohl auf den Endkunden umgelegt werden wird. Besonders für Unternehmen mit vielen saisonalen Artikeln und hohen Rücklaufquoten kann daraus ein kostspieliger Verwaltungsprozess werden.

Zugleich trifft die Regulierung vor allem Unternehmen, die innerhalb Europas greifbar sind. Anbieter außerhalb der EU, die über Onlineplattformen direkt an Verbraucher liefern, bleiben unangetastet.

Keine Lösung, nur Verbot

Ein Verbot allein schafft weder Sortieranlagen noch Recyclingtechnologien. Es ersetzt auch keine funktionierenden Absatzwege für gebrauchte oder aufbereitete Ware. Wenn Händler große Mengen lagern müssen, ohne dass es ausreichende Käufer, Spendenpartner oder Recyclingkapazitäten gibt, verlagert sich das Problem lediglich vom Müllplatz ins Lager.

Kernproblem weitgehend unangetastet

Die EU setzt beim Symptom an, nicht bei der Ursache. Denn das Problem ist die sogenannte „Fast Fashion“. Sie lebt davon, Trends in kürzester Zeit und zu extrem niedrigen Preisen auf den Markt zu bringen. Das gelingt nur, wenn die Herstellung in Ländern wie Indien oder Bangladesch erfolgt, wo die Produktionskosten niedrig sind.

„Fast Fashion“ ist daher für viele Menschen und besonders für die junge Generation attraktiv, fördert aber Überproduktion ebenso wie Wegwerfverhalten. Ein Vernichtungsverbot ändert an diesem Problem nichts, sondern schafft nur neue Bürokratie.

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