Bei der AfD in Magdeburg war der Jubel groß: Mit mehr als 44 Prozent gelingt der Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein beispielloser Erfolg.

6. September 2026 / 18:41 Uhr

Hochrechnung: AfD mit 44,1 Prozent – nur ein Sitz fehlt zur Alleinregierung

Die AfD hat Sachsen-Anhalt bei der Landtagswahl politisch erschüttert. Nach der ersten Hochrechnung von ARD und ZDF kommt sie auf 44,1 Prozent und liegt damit mit gewaltigem Abstand vor der CDU. Für die absolute Mehrheit fehlt der Partei allerdings genau ein Sitz.

AfD mit historischem Vorsprung

Das Ergebnis ist ein politischer Paukenschlag. Die AfD gewinnt gegenüber der Landtagswahl 2021 rund 23,3 Prozentpunkte hinzu und mehr als verdoppelt damit ihren damaligen Stimmenanteil von 20,8 Prozent. Nach der aktuellen Sitzprojektion kommt sie weiterhin auf 41 Mandate. Für die absolute Mehrheit im 83 Sitze umfassenden Landtag von Sachsen-Anhalt wären 42 notwendig.

Damit trennt die AfD ausgerechnet ein einziges Mandat von der Möglichkeit, ohne Koalitionspartner zu regieren. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kann einen historischen Wahlerfolg feiern. Bereits am Wahlabend erklärte er, die AfD habe „Geschichte geschrieben“ und das Ergebnis sei ein deutliches Zeichen für einen politischen Wandel.

CDU stürzt dramatisch ab

Während die AfD nach triumphiert, erlebt die CDU einen Absturz. Die Christdemokraten landen nach der ersten Hochrechnung bei lediglich 18,5 Prozent. Gegenüber 2021 bedeutet das ein Minus von 18,6 Prozentpunkten. Der Abstand zur AfD beträgt damit gewaltige 25,6 Punkte.

Für die seit Jahren in Sachsen-Anhalt regierende CDU ist das ein schwerer Schlag. Ministerpräsident Sven Schulze hatte im Wahlkampf versucht, die Christdemokraten gegen die AfD zu behaupten. Nun steht die Partei vor der schwierigen Aufgabe, trotz ihres massiven Rückstands eine Regierungsperspektive zu finden.

Keine Mehrheit für CDU, SPD und Grüne

Denn auch rechnerisch wird der Abend für die etablierten Parteien kompliziert. Linke, SPD und Grüne kommen nach der ersten Hochrechnung jeweils auf Werte um neun Prozent: 9,2 Prozent für die Linke, 8,8 Prozent für die SPD und 8,7 Prozent für die Grünen. FDP und BSW bleiben mit 2,4 beziehungsweise 4,8 Prozent zunächst unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Nach der derzeitigen Sitzprojektion reichen CDU, SPD und Grüne zusammen nicht für eine parlamentarische Mehrheit. Eine solche Konstellation wäre damit auf weitere Unterstützung angewiesen. Der Blick richtet sich deshalb ausgerechnet auf die Linke, die nach dieser Rechnung über die fehlenden Mandate verfügt. Eine von der CDU geführte Regierung könnte damit auf eine Unterstützung oder zumindest Duldung der Linken angewiesen sein.

Jetzt beginnt das Machtpoker

Die AfD hat die Wahl mit riesigem Abstand gewonnen, steht aber unmittelbar vor der Frage, wie aus dem Wahlsieg auch Regierungsmacht werden kann. Die übrigen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ausgeschlossen. Auch vor der Wahl war deshalb offen, ob die Partei trotz eines möglichen Wahlsiegs tatsächlich die Landesregierung übernehmen könnte.

Für CDU und SPD wiederum beginnt nun die Suche nach einer tragfähigen Mehrheit. Besonders pikant: Sollte eine CDU-geführte Regierung auf die Linke angewiesen sein, würde ausgerechnet jene Partei zum Mehrheitsbeschaffer, mit der die CDU eine Zusammenarbeit bislang ausgeschlossen hat. Damit steht Sachsen-Anhalt vor einer ungewöhnlichen politischen Konstellation.

Ein Sitz entscheidet über die Macht

Noch ist die Auszählung nicht abgeschlossen und eine Hochrechnung kein amtliches Endergebnis. Doch die politische Botschaft des Abends ist bereits unübersehbar: Die AfD liegt mit 44,1 Prozent weit vor der CDU und hat ihren Stimmenanteil gegenüber 2021 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig fehlen ihr nach der derzeitigen Sitzprojektion genau ein Mandat zur absoluten Mehrheit.

Damit könnte am Ende tatsächlich ein einziger Sitz darüber entscheiden, ob die AfD zwar den mit Abstand größten Wahlerfolg einfährt – oder ob sie anschließend trotz dieses Vorsprungs auf der Oppositionsbank bleibt. In Magdeburg ist das Machtpoker eröffnet.

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