Andreas Gabalier spricht im krone.tv-Format „Message Macht Medien“ über Politik, gesellschaftliche Spaltung, Globalisierung und die Rolle der Medien.

17. September 2026 / 11:19 Uhr

„Fahren Land massiv an die Wand“: Gabalier spricht im Interview Klartext

Andreas Gabalier wird deutlich. Im aktuellen krone.tv-Format „Message Macht Medien“ spricht der Volks-Rock’n’Roller über Politik, Medien und eine Gesellschaft, die zunehmend auseinanderdriftet. Das Fazit des Gesprächs ist dabei unmissverständlich: „Wir fahren unser Land massiv an die Wand.“

Im Gespräch mit Gerald Fleischmann geht es nicht nur um Gabaliers neues Album und seine außergewöhnliche Karriere. Rasch rücken auch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich in den Mittelpunkt. Der Sänger zeigt sich besorgt über die Art, wie inzwischen über politische Gegensätze diskutiert wird.

Streit statt Debatte

Gabalier beschreibt eine politische Debattenkultur, in der unterschiedliche Positionen zunehmend aufeinanderprallen. Der Musiker beklagt eine gesellschaftliche Spaltung und den Umstand, dass politische Meinungsverschiedenheiten immer stärker zu einer Frage der Lagerzugehörigkeit würden.

Gabalier kritisiert zudem die Folgen einer immer stärker globalisierten Welt. Dabei drohe die Eigenständigkeit gewachsener Kulturen und Traditionen unterzugehen. Gleichzeitig sei die gesellschaftliche Spaltung längst nicht überwunden. „Streiten können wir heute noch nicht“, beschreibt er seine Wahrnehmung der Debatte. Umso bemerkenswerter ist seine Haltung zur Musik: Gerade sie könne Menschen wieder zusammenbringen. Auch ein gemeinsamer Auftritt mit Conchita Wurst sei für ihn deshalb vorstellbar.

In Österreich geht es Bergab

Besonders deutlich wird Gabalier beim Blick auf Österreichs Rolle in der Welt. Das Land sei selbst eine sehr kleine Nation, nehme sich aber mitunter dekadent die Freiheit heraus, „Weltpolizei zu spielen“. Gleichzeitig sieht er Österreich innenpolitisch in einer schwierigen Lage. „Wir fahren unser Land derzeit so massiv an die Wand wie noch nie zuvor“, lautet seine klare Einschätzung.

Klare Absage an die Brandmauer

Auch der Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beschäftigt ihn. Gabalier hält es für falsch, die mehr als 44 Prozent der Wähler, die dort für die AfD gestimmt haben, pauschal als „extrem rechts“ oder gar als Nazis abzustempeln. Für die starken Zugewinne der Partei sieht er vielmehr die Politik der vergangenen Jahre verantwortlich. Ein großer Teil der Bevölkerung sei mit seinen Sorgen und Anliegen ignoriert worden. Was als Angst bezeichnet werde, seien für die Betroffenen konkrete Erfahrungen und reale Probleme.

„Höchste Zeit, sich zusammenzusetzen“

Damit verbindet Gabalier seine Kritik an der sogenannten Brandmauer. Statt politische Gräben immer weiter zu vertiefen, müsse wieder miteinander gesprochen werden. „Jetzt ist höchste Zeit, sich zusammenzusetzen und zu reden“, lautet sein Appell. Sorgen, Bedürfnisse und Bedenken der Menschen müssten wieder ernst genommen und gemeinsam besprochen werden.

Für Gabalier liegt genau darin ein wesentlicher Fehler der vergangenen Jahre: Man habe verlernt, den Menschen zuzuhören und auf ihre Bedürfnisse und Bedenken einzugehen. Seine Botschaft richtet sich damit vor allem gegen eine politische Kultur, in der Wähler mit unbequemen Positionen schnell in Schubladen gesteckt werden. Gerade angesichts der gesellschaftlichen Spaltung brauche es aus seiner Sicht wieder mehr Gespräch statt gegenseitiger Ausgrenzung.

Auch die Medien stehen im Mittelpunkt

Eng damit verbunden ist Gabaliers Verhältnis zu den Medien. Der Sänger selbst ist seit Jahren immer wieder Gegenstand politischer Kontroversen. Besonders die Diskussion um seine Interpretation der österreichischen Bundeshymne machte ihn zu einer Figur, an der sich das linke Lager störte.

Auch die Auseinandersetzungen rund um Conchita Wurst gehören zu dieser Geschichte. 2015 sorgte Gabalier bei den Amadeus Austrian Music Awards mit einer provokanten Äußerung über sein Verhältnis zu Frauen und Männern für Schlagzeilen. Später erklärte er, ihm sei daraus ein ungerechtfertigtes homophobes Image entstanden. Sein Verhältnis zu Conchita ist allerdings nicht ausschließlich von Konfrontation geprägt. Bereits 2015 sagte Gabalier gegenüber der Krone, er gönne Conchita den Erfolg und wünsche sich „ein bisschen Toleranz. Für jeden von uns.“

Vom politischen Streit zurück zur Musik

Trotz der politischen Themen bleibt Gabalier im Gespräch vor allem Musiker. Seine Karriere begann Ende der 2000er-Jahre, das Debütalbum “Da komm’ ich her” erschien 2009. Seither entwickelte sich der Steirer zu einem der bekanntesten österreichischen Musiker im deutschsprachigen Raum.

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