Was die neue Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar als politische Neuordnung darstellt, ist der rasche und gezielte Abbau jener Institutionen, die während der vergangenen, von FIDESZ geprägten Jahre aufgebaut oder gestärkt wurden – allesamt mit rechtskonservativer Ausrichtung.
Der schnelle Abbau bürgerlicher Strukturen
Betroffen sind nicht bloß parteinahe Organisationen, sondern Einrichtungen aus Wissenschaft, Bildung, Kultur, Denkmalpflege, Klimaschutz und Talentförderung.
Mit einem Regierungserlass wurde eine ganze Reihe gemeinnütziger Vermögensverwaltungsstiftungen zum 31. Juli aufgelöst. Es geht um die Zukunft von Strukturen, die langfristig angelegt waren und über Jahre wissenschaftliche Exzellenz, Nachwuchsförderung oder kulturelles Erbe absichern sollten.
Nobelpreisträger Krausz setzt ein Zeichen
Gegen dieses Abräumen setzte niemand geringerer als der Nobelpreisträger Ferenc Krausz am vergangenen Samstag ein symbolträchtiges Zeichen. Er gab bekannt, aus dem Gremium der „Corvin-Kette“ auszutreten und auf die Auszeichnung, die Corvin-Kette, die zweithöchste staatliche Auszeichnung Ungarns, zu verzichten.
Der 2023 international geehrte Physiker begründete seinen Schritt mit einer Kluft zwischen dem Anspruch eines angesehenen öffentlichen Gremiums und dessen tatsächlicher Rolle in gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und ethischen Fragen.
Zahlreiche Institutionen betroffen
Von der Auflösung sind zahlreiche konservative Institutionen betroffen. Sie reichen von der „Hauszmann-Stiftung“, die sich für den Erhalt des gründerzeitlichen Stadtbilds Budapest einsetzt, bis zur „Stiftung für ungarische Kultur“.
Mit dem Zurücklegen der Corvin-Kette hat der Nobelpreisträger nun internationale Aufmerksamkeit auf den gesellschaftspolitischen Umbau Ungarns gelenkt, der in Ungarn auf breite Kritik trifft.
