Larry Sanger schlägt Alarm. Der Mitgründer von Wikipedia erklärt unmissverständlich: Die Linke hat die Enzyklopädie kulturell übernommen. Was einst als neutrale Wissensplattform gedacht war, sei heute ein Instrument, das konservative Positionen systematisch benachteiligt.
Linke als antipluralistische Kraft
Im Interview mit der Berliner Zeitung macht der US-Philosoph klar, wie weit die Verschiebung bereits fortgeschritten ist. „Die Linke denkt sehr viel stärker über kulturelle Übernahme nach. Sie fühlt sich mit der Vorstellung, anderen ihren Willen aufzuzwingen, wesentlich wohler“, sagt Sanger. Echte Konservative dagegen lehnen das ab. Sie fühlen sich dem Pluralismus verpflichtet. Die Linke lehne das absolut ab.
Anonyme Machtstrukturen statt offener Debatte
Sanger beschreibt eine Realität hinter den Kulissen, die mit dem ursprünglichen Anspruch nichts mehr zu tun hat. Einflussreiche Akteure operieren oft unter Pseudonymen. Wer die Inhalte wirklich steuert, bleibt im Dunkeln. Der große Irrtum sei gewesen, anzunehmen, dass sich in einem Wiki allein durch eine Neutralitätsregel die richtigen Leute durchsetzen würden.
Stattdessen hat sich laut Sanger ein ideologischer Rahmen durchgesetzt, den er als globalistisch, akademisch, säkular und progressiv beschreibt. Wer nicht mitspiele, fliege raus. Das Selbstverständnis der linken Wikipedia-Protagonisten beschreibt er so:
Wir haben Wikipedia übernommen. Du musst dich unserem Standpunkt anpassen, wenn du mitspielen willst. Sonst wollen wir dich nicht dabeihaben.
Quellenpolitik als ideologischer Filter
Besonders scharf geht Sanger mit der Auswahl der Quellen ins Gericht. Praktisch alle Quellen, die man mit dem Establishment und besonders mit dem linken Establishment verbinden würde, seien grün markiert und zugelassen. Konservative Quellen sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht erlaubt – und diese Ausnahmen müssen konservative Establishment-Quellen sein.
Versuch der Gegenwehr und die Reaktion
Sanger versuchte, mit dem „WikiProject Intellectual Diversity“ mehr weltanschauliche Vielfalt hereinzubringen. Die Initiative stieß auf Ablehnung. Wenig später sperrte die Community den Mitgründer unbefristet – offiziell wegen „Canvassing“, weil er auf X auf die interne Debatte hingewiesen hatte. Sanger selbst spricht von einem Mob und fehlender Verfahrensgerechtigkeit.
