Eigene Genossen gehen auf Distanz. Im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der sogenannten Hammerbande am Oberlandesgericht Düsseldorf haben die Angeklagten ihre Beteiligung an den Angriffen in Budapest eingeräumt – und lösen damit scharfe Kritik aus den eigenen Reihen aus.
Geständnis vor Gericht
Am 14. Juli 2026 legten die sechs Angeklagten – fünf Frauen und ein Mann aus dem Umfeld von Jena und Leipzig – vor dem Staatsschutzsenat Erklärungen ab. Sie identifizierten sich anhand von Überwachungsaufnahmen selbst als die vermummten Personen, die im Februar 2023 während des „Tags der Ehre“ in der ungarischen Hauptstadt vermeintliche Rechte mit Schlagstöcken, Hämmern und Pfefferspray attackiert hatten. Die Beteiligung räumten sie ein, den Vorwurf des versuchten Mordes und einer Tötungsabsicht wiesen sie zurück. Ihre Taten begründeten sie mit antifaschistischer Motivation.
„Szene-Grundsatz verletzt“
Kurz darauf erschien auf der Plattform Indymedia eine Stellungnahme des „Antifacafé Wendland“. Darin heißt es wörtlich: „Aus den Erfahrungen der radikalen Linken sagen wir: Diese Einlassungen sind ein Fehler – politisch, strategisch und solidarisch.“ Die Autoren werfen den Angeklagten vor, mit der Selbstidentifikation und der inhaltlichen Einordnung der Vorwürfe die Ermittlungen unterstützt und damit fundamentale Prinzipien der autonomen Szene gebrochen zu haben. Sie erinnern an den alten Szenespruch „Anna und Arthur halten’s Maul“ und fordern, die Aussagen zurückzunehmen: „Aussagen lassen sich widerrufen.“
Linksextreme plädieren für Aussageverweigerung
Aus Sicht der Linksextremisten handelt es sich bei den Verfahren um politische Justiz. „Es ist politische Justiz und es geht nicht um Wahrheitsfindung“, formulieren sie. Polizei, Staatsanwaltschaften und Nachrichtendienste würden jede Aussage verwerten. Wer sich selbst wiedererkenne oder Taten ideologisch einordne, liefere weitere Ansatzpunkte und erkenne die Arbeitsweise der Justiz an.
