Geleakte Chats zerlegen die Darstellung des Charité-Virologen Christian Drosten. Kristian Andersen, Hauptautor der einflussreichen Proximal-Origin-Studie, hält dessen Behauptung, von der Wuhan-Forschung nichts gewusst zu haben, für schwer glaubhaft.
Was jetzt ans Licht kommt
US-Senator Rand Paul veröffentlichte Mitte Juli 2026 interne Slack-Chats der Autoren von „The Proximal Origin of SARS-CoV-2“. Die Studie aus dem März 2020 hatte die Labor-Hypothese öffentlich als unplausibel abgetan und wurde weltweit zitiert, um kritische Fragen abzuwürgen. Intern sahen die Verfasser das anders. Andersen selbst setzte die Wahrscheinlichkeit eines Laborursprungs Monate später noch auf rund 30 Prozent. Eddie Holmes lag bei 20, später zehn Prozent. Beide Zahlen stehen im krassen Gegensatz zur öffentlichen Behauptung, ein laborbasiertes Szenario sei ausgeschlossen.
„Schwer zu glauben“ – Andersen zu Drosten
In den freigegebenen Nachrichten auf der Plattform Slack geht Andersen auch auf Christian Drosten ein. Der Berliner Virologe hatte in Interviews und vor Gericht betont, bei der Unterzeichnung des Lancet-Briefs im Februar 2020 nichts von den konkreten Projekten am Wuhan Institute of Virology gewusst zu haben. Andersen schreibt dazu sinngemäß: Drosten soll nichts von der Forschung am WIV gewusst haben? Das falle schwer zu glauben – zumal man in der Telefonkonferenz vom 1. Februar 2020 natürlich darüber gesprochen habe.
An jener Konferenz unter Leitung von Anthony Fauci und Jeremy Farrar hatten neben Andersen und Drosten weitere führende Virologen teilgenommen. Schon am Tag danach notierte Andersen intern, dass Drosten und Ron Fouchier die Labor-Hypothese als zu unwahrscheinlich abtaten, während er selbst sie für „sehr wahrscheinlich“ und keineswegs randständig hielt.
Öffentliche Gewissheit, private Zweifel
Die Chats belegen, dass die Autoren der Proximal-Origin-Studie ihre eigenen Schlussfolgerungen intern relativierten. Andersen räumte ein, das Paper sei „ziemlich stark“ in der Formulierung „es gibt keinen Weg“ gewesen, er habe aber „weniger Vertrauen“ in diese Aussage. Die Furin-Spaltstelle und die Tatsache, dass die umstrittene Gain-of-Function-Arbeit an Fledermaus-Coronaviren vor allem in Wuhan stattfand, sorgten für anhaltende Unruhe. Die öffentliche Linie blieb dennoch unverändert: Labor-Ursprung sei ausgeschlossen, Skeptiker wurden als Verschwörungstheoretiker abgestempelt.
Drosten selbst hatte sich öffentlich früh und klar gegen die Labor-These positioniert und den Lancet-Brief mitunterzeichnet, der genau diese Position absicherte. Die neuen Dokumente zeigen nun, dass zumindest einer der zentralen Gesprächsteilnehmer der entscheidenden Februar-Konferenz seine spätere Unschuldsbekundung nicht teilt.
