Der Buchenwald-Satz hat ein Nachspiel. Der Berliner AfD-Politiker Julian Adrat hat bei der Staatsanwaltschaft Erfurt Strafanzeige gegen Hape Kerkeling erstattet, der Vorwurf lautet Volksverhetzung. Anlass ist jener Auftritt, mit dem die Linke den Komiker in den Thüringer Landtag geholt hatte.
Vom Zeugenstuhl zur Anzeige
Die Vorgeschichte hat Unzensuriert bereits festgehalten. Am 30. September saß Kerkeling in Erfurt als Anzuhörender im Justizausschuss, geladen von der Linksfraktion um Christian Schaft, nicht als Jurist. Im Frageteil griff er den Wahlslogan „Alles ist möglich“ auf, mit dem Ulrich Siegmunds AfD in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft wurde: Bei einem Autohersteller verstehe er das, bei einer Partei, die das zu ihrem Motto mache, sei „unter Umständen auch Buchenwald möglich“. Der Thüringer AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff nannte das gegenüber der dpa eine „skandalöse Aussage“ und einen „harten Angriff“.
Post nach Erfurt
Adrat, neu ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, veröffentlichte am 1. Oktober auf X den Text seiner Anzeige an die Staatsanwaltschaft Erfurt und bestätigte sie auf Nachfrage der Berliner Zeitung. Er stützt sie nach eigenem Schreiben vor allem auf Paragraf 130 Absatz 3 des Strafgesetzbuchs, der unter engen Voraussetzungen das öffentliche Verharmlosen nationalsozialistischer Verbrechen erfasst, und verweist zusätzlich auf alle weiteren in Betracht kommenden Tatbestände. Sein Vorwurf: Kerkeling habe die heutige AfD mit der NS-Gewaltherrschaft verknüpft und den Vergleich auf Buchenwald verdichtet. Ob die Staatsanwaltschaft daraus ein Ermittlungsverfahren macht, ist bislang nicht bestätigt.
stern krönt den Komiker
Während die Anzeige in Erfurt liegt, stellte sich der stern vor den Entertainer. In der Kolumne „König Hape I.“ vom 5. Oktober tauft Jagoda Marinić Kerkeling in „Kerkelking“ um und feiert den Auftritt. Auf X schrieb sie, es gebe gute Gründe, ihn zu feiern. Der Komiker, den die Linke als Stimme gegen die AfD in den Landtag setzte, wird im Blatt zum König erklärt. Die strafrechtliche Prüfung seines Buchenwald-Vergleichs bleibt derweil offen.
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