US-Außenminister Marco Rubio nutzte seinen Besuch in Athen für eine weitreichende Botschaft: Der Westen müsse seine kulturellen Wurzeln, seine nationale Eigenständigkeit und seinen Willen zur Selbstbehauptung zurückgewinnen.
Andernfalls, so seine Warnung, drohten Abhängigkeit und Bedeutungsverlust.
Erbe bewahren, Stärke zurückgewinnen
Europas Bedeutung arbeitete Rubio deutlich hervor. Vor der antiken Akropolis betonte er gestern, Mittwoch, den Ursprung westlicher Werte als Errungenschaften der Europäer: Ehrgeiz, Entdeckergeist, Wettbewerb und Pflichtbewusstsein. Diese von Griechenland ausgehende Tradition, so seine Argumentation, habe später auch das christliche Europa und die Vereinigten Staaten geprägt.
Der Westen solle seine Geschichte deshalb nicht als Belastung betrachten, sondern als Grundlage gemeinsamer Identität und politischer Handlungsfähigkeit.
Leistung vor Versicherungsdenken
Seine Kritik richtet sich gegen eine Politik und Kultur, die nach seiner Darstellung Sicherheit und Gleichheit höher gewichten als Leistung, Mut und außergewöhnliche Fähigkeiten. Er sieht darin ein Absenken der Ansprüche und einen Verlust des Antriebs, der große Gesellschaften voranbringe.
Auch den Umgang mit nationaler Geschichte beanstandet er: Wenn Länder ihre Vergangenheit vor allem verurteilen und den eigenen Patriotismus entwerten, werde es schwieriger, Verantwortung für die Zukunft zu wecken.
Besinnung auf das Eigene
Rubio verbindet den kulturellen Selbstzweifel mit konkreten politischen Entwicklungen: Ersetzungseinwanderung, die Verlagerung von Industrie ins Ausland, schwächere Verteidigungsfähigkeiten und die Übertragung von Entscheidungen an internationale Institutionen.
Rubio fordert eine Gegenbewegung: mehr heimische Produktion, gesicherte Lieferketten, eine starke Verteidigung und Einfluss auf Schlüsseltechnologien.
Souverän auf internationaler Ebene
Nationale Souveränität stellt er dabei nicht als Gegensatz zu Bündnissen dar. Internationale Institutionen und Partnerschaften sollten nach seiner Vorstellung die Handlungsfähigkeit der Nationen stärken – nicht ihre Eigenständigkeit ersetzen.
Damit verbindet Rubio eine deutliche Warnung mit einem Bündnisangebot für eine noch engere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Die transatlantischen Spannungen dürften nicht dazu führen, dass die Verbündeten auseinanderdriften.
Abhängigkeit von den USA
In Washington ist man besorgt über eine mögliche Emanzipation Europas. Denn seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der NATO werden zumindest sicherheitspolitische und militärische Antworten von Washington diktiert. Mit allen Folgen, die die Unterordnung unter amerikanische Interessen bedeuten, wie der eigene politische und wirtschaftliche Niedergang.
Infolge der konservativen Wende in den USA und deren bedingungsloser Unterstützung von Israel im Gaza-Krieg mehren sich insbesondere die linken Stimmen in Europa, die die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten kritisieren.
Ein konservativer Republikaner mit großem Einfluss
Rubio vertritt in der Trump-Regierung eine Linie, die nationale Macht und wirtschaftliche Unabhängigkeit ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt. Sein Einfluss ist erheblich: Als US-Außenminister orchestriert er die abhängigen Staaten. Er gilt als aussichtsreicher Nachfolger für das Präsidentenamt bei der Wahl im Jahr 2028.
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