Die elsässische Hauptstadt Straßburg ist als historische Mischung aus deutscher und französischer Kultur bekannt. Nun kann sich die Grenzregion über neue Autonomie freuen – auch dank der Stimmen des Rassemblement National.

11. April 2026 / 07:11 Uhr

Neue Autonomie für das Elsass: Frankreich gibt Region mehr Selbstständigkeit

Das Elsass ist auf dem Weg zu mehr Autonomie einen wichtigen politischen Schritt vorangekommen: Die französische Nationalversammlung hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der der Region mehr Selbstständigkeit innerhalb Frankreichs gewährt und damit einer alten Forderung viele Elsässer entgegenkommt.

Sonderstatus und mehr Kompetenzen

Der Entwurf sieht vor, dass das Elsass aus der Region Grand Est ausschert und künftig eine „außergewöhnliche Körperschaft“ („collectivité territoriale à statut particulier“) bildet, vergleichbar etwa mit Korsika. Damit würden die Kompetenzen von Region und Departement (Haupt- und Landkreise) in einer neuen Verwaltungseinheit zusammenlaufen, was zu mehr Entscheidungsbefugnissen in Bereichen wie Kultur, Bildung, Wirtschaft und Tourismus führen soll.

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Geplant ist außerdem eine stärkere finanzielle Eigenverantwortung: Das Elsass könnte künftig einen größeren Teil seiner Steuereinnahmen behalten und selbst über deren Verwendung entscheiden können. Die genauen Zuständigkeiten und Grenzen gegenüber Paris werden aber noch in Verhandlungen mit der Zentralregierung geklärt.

Unterstützung durch Rassemblement National

Möglich wurde der Durchbruch des Autonomiegesetzes vor allem durch die Unterstützung des Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen. Die französische Nationalversammlung stimmte dem Vorschlag mit 131 Ja‑Stimmen gegen 100 Nein zu; ohne die Mehrheit der Rechten hätte die Reform keine ausreichende Mehrheit gefunden.

Der RN profitiert davon, weil er sich als Bürger-Schützer regionaler Identitäten versteht – nicht nur im Elsass, sondern auch auf Korsika.

Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland

Das Elsass ist seit Jahrhunderten ein Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland geblieben. Nach dem Deutsch‑Französischen Krieg von 1870/71 wurde es als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ Teil des Deutschen Reiches, mit einer gewissen inneren Autonomie und einer eigenen politischen Entwicklung.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland das Gebiet im Versailler Vertrag 1919 wieder an Frankreich abtreten; im Zweiten Weltkrieg wurde es erneut kurz von Deutschland besetzt, bevor es nach 1945 dauerhaft zu Frankreich zurückkehrte. Seitdem ist das Elsass formal vollwertige französische Region, aber viele Bewohner pflegen eine doppelte Identität – zwischen französischer Staatsangehörigkeit und deutscher Sprach‑ und Kulturgeschichte.

Gebietsreform 2015 und die Folgen

2015 wurde im Rahmen einer großen territorialen Reform die selbstständige Region Elsass aufgelöst und mit Lothringen sowie Champagne-Ardenne zur Großregion Grand Est zusammengelegt. Die Reform wurde in Paris ohne Volksabstimmung beschlossen und löste im Elsass massiven Protest aus: Viele sahen darin den Verlust eigener Strukturen und der elsässischen Identität. Die nun beschlossene Autonomie gilt deshalb auch als Korrektur der Gebietsreform und als Antwort auf die Forderungen nach „mehr Elsass im Elsass“.

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