Im nordöstlichen nigerianischen Bundesstaat Borno sind bei offenbar islamistischen Angriffen mindestens fünf Menschen getötet worden. Die Angriffe erschüttern erneut die ohnehin stark gebeutelte Region, in der sich seit Jahren dschihadistische Gruppen wie Boko Haram und der Islamische Staat Westafrika (ISWAP) halten. Sicherheitskreise sprechen von einem weiteren Ausbruch der Gewalt entlang eines neuen „Korridors der Gewalt“, der sich von Nordosten bis in Teile Nord‑ und Nordwestnigerias erstreckt.
Islamisten auf dem Vormarsch
Die Angriffe in Borno fallen in eine Phase, in der islamistische Gruppen ihre Aktivitäten systematisch aus dem Nordosten in Richtung Zentrum und Westen Nigerias ausweiten. Während Boko Haram und die IS‑Verbündete ISWAP lange vor allem die Region um den Lake‑Chad‑Raum und die Stadt Maiduguri kontrollierten, spielen heute auch Gruppen wie Lakurawa und andere dschihadistische Akteure aus dem Sahel eine zentrale Rolle.
Zu den jüngsten Gewalttaten zählen nicht nur die Angriffe in Borno, sondern auch die Massaker in Woro und Nuku (Kwara‑Staat) Ende Jänner 2026, bei denen Zeugen und Parlamentarier von über 160 getöteten Zivilisten berichten. Diese Angriffe wurden offenbar von der IS‑vernetzten Miliz Lakurawa durchgeführt, die sich in den Grenzregionen zu Niger und Benin verankert hat.
Staatliche Gewalt zusammengebrochen
Analysten sprechen inzwischen von einem neuen Korridor der Gewalt zwischen Nordwestnigeria, dem Sahel und den angrenzenden Staaten Niger und Benin. In diesem Gebiet kooperieren teils fraktionierte Boko‑Haram‑Gruppen, Mahmudawa‑Akteure, JNIM‑Nahe Netzwerke und Lakurawa.
Diese Kooperationen ermöglichen es den Gruppen, sichere Rückzugsgebiete im Kainji‑Lake‑Nationalpark und entlang transnationaler Handels‑ und Schmuggelrouten zu etablieren. Lokale Beamte und Analysen zeigen, dass die staatliche Präsenz in vielen ländlichen Gebieten praktisch zusammengebrochen ist, wodurch die Jihadisten faktisch die lokale Ordnung bestimmen – etwa durch die Ernennung eigener Imame und die Durchsetzung strenger Scharia‑Regeln.
Gewalt richtet sich gegen Christen
Die Opfer der Islamisten sind meist Christen: Die Angriffe treffen überwiegend zivilen, oft christliche oder gemischte Gemeinden. Obwohl die nigerianische Regierung sich öffentlich für Religionsfreiheit einsetzt, berichten Hilfsorganisationen von systematischer Gewalt gegen Christen, Erpressung und Zwangskonversionen in den von Jihadisten kontrollierten Gebieten.
Ein weiteres graves Beispiel ist die Selbstmordanschlagsserie in Maiduguri im März 2026, bei der mehrere Attentäter in religiösen und marktartigen Zentren mindestens 26 Menschen töteten und über 140 verletzten. Auch diese Angriffe wurden den islamistischen Milizen im Norden Nigerias zugeordnet.
Kampf gegen Islamisten erweist sich als schwierig
Die nigerianische Armee weist jeder neuen Angriffswelle mit Offensiven und Drohungen entgegen. In Borno und Kano wurden in den letzten Wochen mehrere hundert mutmaßliche Extremisten verhaftet und Stützpunkte zerschlagen. Dennoch kritisieren lokale Beobachter wie die Deutsche Welle, dass das Misstrauen der Bevölkerung gegen die Armee die Aufklärungsarbeit massiv behindert. Viele Dorfbewohner fürchten Vergeltungsschläge der Jihadisten, wenn sie mit Sicherheitskräften kooperieren, und schweigen daher. International hat die Lage zu neuen Bündnissen und Einsätzen geführt.
Die USA haben nach einem von Präsident Donald Trump angeordneten Luftangriff auf IS‑Ziele im Dezember 2025 eine kleine militärische Spezialisten-Team nach Nigeria entsandt, das sich vor allem auf Aufklärung und Unterstützung der nigerianischen Armee konzentriert. Die nigerianische Regierung betont, dies sei Teil einer enge Sicherheitskooperation mit Westafrika‑Partnern.
Angriffe als Machtdemonstration
Politische Analysten warnen, dass die Ausweitung der Gewalt in den Westen Nigerias die bisherige Narrative von einer „nur nordöstlichen“ Bedrohung empfindlich stört. Die Angriffe in Woro und Nuku werden inzwischen als strategische Machtdemonstration der IS‑Verbündeten gewertet, die den Staat und die internationale Gemeinschaft vor neue Herausforderungen stellt.


