Emmanuel und Brigitte Macron

Die Kommunalwahlen am vergangenen Wochenende offenbarten die Schwäche von Präsident Emmanuel Macrons politischer Bewegung.

18. März 2026 / 08:46 Uhr

Vorbeben für 2027: Rechte Kandidaten gewinnen überraschend stark im ersten Wahlgang

Die erste Runde der französischen Kommunalwahlen ist geschlagen und es zeigt sich ein klares Bild. Während sich die autochthone Bevölkerung in die ländlichen Regionen zurückzieht, werden die Städte immer bunter.

Paris: Mehrheit der Kandidaten sind Ausländer

So stammen von den fünf Kandidaten, die sich am kommenden Sonntag in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt von Paris bewerben können, da sie in der ersten Runde mehr als zehn Prozent erhielten, drei ihrer Herkunft nach aus dem Maghreb und nur zwei aus Frankreich.

Unzensuriert Radio-Empfehlung:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Rachida Dati (24,8 Prozent) ist islamisch-marokkanischer Herkunft , Sophie Chikirou (13,7 Prozent) islamisch-algerischer, Sarah Knafo (10,0 Prozent) jüdisch-maghrebinischer, Emmanuel Grégoire (36,4 Prozent) und Pierre-Yves Bournazel (11,8 Prozent) sind französischer Herkunft.

Vorbeben für Präsidentschaftswahl 2027

Während in der Hauptstadt eine bunte Kandidatenrunde in die Stichwahl zieht, hat sich im übrigen Land am vergangenen Wochenende ein tiefgreifender politischer Verschiebungsprozess gezeigt.

Die erste Runde der französischen Kommunalwahlen 2026 markiert einen neuen Höhepunkt in der kommunalen Verankerung der rechten Partei Rassemblement National (RN) und verstärkt zugleich den Druck auf die traditionellen Parteien vor der Präsidentschaftswahl 2027.

Rekord für den RN: 23 Bürgermeister im ersten Wahlgang

Besonders der RN konnte seine lokale Basis deutlich ausbauen. Landesweit wurden 23 Bürgermeister der Partei bereits im ersten Wahlgang gewählt.

In den Städten, die der RN bereits seit 2020 führt, fuhren die Amtsinhaber teils überwältigende Wiederwahlergebnisse mit bis zu 80 Prozent der Stimmen (in Bruay-La-Buissière) ein. Hénin-Beaumont, die Hochburg von Marine Le Pen, erzielte über 77 Prozent.

Neue rechte Gemeinden

Dazu kommen neue rechte Gemeinden: In Vauvert holte der dortige RN-Abgeordnete 57,5 Prozent, in Cagnes-sur-Mer erreichte der Kandidat mit 50, 21 Prozent ebenfalls einen Sieg im ersten Durchgang.

Insgesamt wurden bereits 1.279 Gemeinderäte und 323 Vertreter in Gemeindeverbänden für den RN im ersten Wahlgang gesichert.

Umgang mit dem Steuergeld entscheidend

Die Partei sieht darin zweierlei bestätigt: Zum einen die hohe Zustimmung zur bisherigen kommunalen Amtsführung, insbesondere im Umgang mit öffentlichen Finanzen, Sicherheit und lokaler Verwaltung; zum anderen eine stetige Ausweitung ihres geographischen Einflusses.

Selbst in Regionen, in denen der RN bisher kaum präsent war – etwa in Teilen West- und Südwestfrankreichs wie Nouvelle-Aquitaine – konnten erstmals Rathäuser gewonnen werden.

Starke Ausgangsposition für die Stichwahl

Für den zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag steht der RN in vielen Kommunen vor günstigen Konstellationen. In Toulon liegt die RN-Kandidatin mit über 40 Prozent in Führung, in Nîmes überschritt der dortige Spitzenkandidat die Marke von 30 Prozent, in Marseille kommt der RN-Bewerber auf 36 Prozent und liegt damit in Schlagdistanz zum sozialistischen Amtsinhaber.

Landesweit haben sich 271 RN-Kandidaten für die Stichwahl qualifiziert, in mindestens 75 Kommunen führt das Lager der rechten Parteien nach dem ersten Durchgang.

RN: Politik des „gesunden Menschenverstands“

RN-Parteichef Jordan Bardella betonte am Wahlabend, man habe gezeigt, dass eine Politik des „gesunden Menschenverstands“ – mit Ordnung in den Straßen und in den öffentlichen Finanzen – den Alltag vieler Bürger spürbar verbessere.

Die Franzosen hätten „eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung“ zum Ausdruck gebracht. Marine Le Pen sprach von einer „riesigen Siegesserie“, da der RN nicht nur in seinen angestammten Hochburgen, sondern auch in neuen Städten bereits im ersten Wahlgang gewonnen habe und andernorts realistische Chancen im zweiten Durchgang sehe. Beide riefen die Wähler dazu auf, die Dynamik in der Stichwahl noch zu verstärken.

LFI im Aufwind, klassische Parteien unter Druck

Doch der RN ist nicht der einzige Gewinner. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums gelang die linke Partei „La France insoumise“ (LFI) ein deutlicher Durchbruch.

Die zum Teil linksextreme Bewegung von Jean-Luc Mélenchon legte vor allem in Großstädten und arabischen Einwanderungsvierteln spürbar zu und etablierte sich vielerorts als entscheidende Kraft im linken Lager. In Städten wie Roubaix, Limoges, Toulouse und Lille erreicht LFI teils Spitzenpositionen oder zumindest starke zweistellige Ergebnisse, die sie in der Stichwahl zur möglichen „Königsmacherin“ machen.

Sozialisten müssen noch weiter nach links rutschen

Damit verschärft sich der Druck auf die Sozialisten, die zwar in einigen traditionellen Hochburgen wie Rennes oder Nantes vorn liegen, in den Metropolen aber ohne Bündnisse Gefahr laufen, die Kontrolle zu verlieren.

Besonders augenfällig ist dies in Paris und Marseille, wo die Kandidaten von LFI, die Molsemin Chikirou, mit jeweils rund elf Prozent in die Stichwahl einziehen und damit für linke Mehrheiten unverzichtbar werden könnten.

Macron-Lager und Konservative: Schwach in den Städten

Die erste Runde der Kommunalwahlen bestätigt wiederum auch die Schwäche des macronistischen Lagers. Das Bündnis aus den Parteien Renaissance, MoDem und Horizons konnte sich landesweit kaum gegen die lokal verankerten und etablierten Parteien behaupten und blieb hinter den Erwartungen zurück.

In mittelgroßen Städten schaffte das Wahlbündnis einzelne Achtungserfolge in mittelgroßen Städten, aber in vielen Metropolen kam der Kandidat von Präsident Emmanuel Macron nicht einmal in die Stichwahl.

Verwässerte Konservative weiter schwach

Les Républicains (LR), eine Mitte-rechts-Partei, behaupten sich zwar in zahlreichen mittelgroßen Städten und können dort Mandate verteidigen oder hinzugewinnen.

Doch in den großen urbanen Zentren verlieren sie stetig an Boden nicht zuletzt an den RN und dessen Verbündete, wie in Nîmes, Toulon oder Nizza.

Niedrige Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung bleibt trotz der Bedeutung der Kommunen für den Alltag der Menschen auf einem historisch niedrigen Niveau. Zwischen gut 41 und 44 Prozent der Wahlberechtigten blieben zu Hause.

Vor allem in kleinen Gemeinden mit nur einer Liste und in strukturschwachen Regionen war die Enthaltung hoch, während die Linke in großen Städten mit offenem Rennen wie Paris oder Lyon erfolgreich mobilisieren konnte.

Weichenstellung für Senat

Über die lokale Ebene hinaus haben die Ergebnisse bereits jetzt Bedeutung für die nationale Politik. Die Zahl der eroberten Rathäuser und Gemeinderatsmandate entscheidet maßgeblich darüber, wie viele „große Wahlmänner“ bei den kommenden Senatswahlen für die einzelnen Lager stimmen werden.

Für den RN eröffnet sich damit die Chance, erstmals eine eigene Fraktion im Oberhaus zu bilden – eine symbolische wie praktische Machtverschiebung in einem Land mit Mehrheitswahlrecht, die die Gesetzgebungsarbeit beeinflussen könnte. LFI wiederum könnte mit ihren kommunalen Erfolgen erstmals den Sprung in den Senat schaffen.

Stimmungstest für Präsidentschaftswahlen

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2027 sind die Kommunalwahlen mehr als ein lokales Stimmungsbild.

Sie zeigen eine Republik, in der sich der RN auf kommunaler Ebene festigte, LFI zur Schlüsselakteurin im linken Lager wird, die verwässerte Rechte zwischen Anpassung und Abgrenzung schwankt und in der selbst in einer von Kriminalität, Vermüllung und Überfremdung entstellten Hauptstadt wie Paris ein Weiterso gewählt wurde.

Unterstützen Sie unsere kritische, unzensurierte Berichterstattung mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Teile diesen Artikel

    Diskussion zum Artikel auf unserem Telegram-Kanal:

Politik aktuell

24.

Mrz

11:07 Uhr

Wir infomieren

Unzensuriert Infobrief

Unzensuriert Video-Empfehlung:
Spritpreissenkung: FPÖ-Plan statt Regierungsmärchen
Klicken um das Video zu laden
Erst nach dem Klick wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt.