SPÖ-Sozialministerin Korinna Schumann

Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) kam die unrühmliche Rolle zu, die hohen Arbeitslosenzahlen zu präsentieren.

3. März 2026 / 08:35 Uhr

Mehr Arbeitslose, weniger Lehrstellen: SPÖ schimpft auf Vorgängerregierung

Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Ende Februar 2026 waren rund 436.200 Menschen arbeitslos oder in AMS-Schulung. Das sind um 6.200 Personen beziehungsweise 1,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Beschäftigung rückläufig

Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,3 Prozent (+0,2 Prozentpunkte gegenüber Februar 2025), die Beschäftigung ist gegenüber 2025 leicht rückläufig.

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Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) spricht von einer „sehr angespannten“ Situation. Die Zahl der Arbeitslosen liegt um rund 10.100 Personen beziehungsweise 2,9 Prozent über dem Vorjahreswert, während gleichzeitig qualifizierte Kräfte fehlen.

Ministerin als Zuschauerin

„Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb ist es jetzt entscheidend, eine umfassende und langfristige Fachkräftestrategie auf den Weg zu bringen“, erklärt Schumann, als säße sie nicht selbst an den Schalthebeln dieser Steuerung. Sie fordert eine Qualifizierungsoffensive, starke Lehre und Berufsausbildung sowie attraktive Rahmenbedingungen für internationale Fachkräfte.

Mehr Frauen ohne Arbeitsplatz, wachsende Langzeitarbeitslosigkeit

Der Anstieg trifft alle Altersgruppen, besonders aber Frauen: Ihre Arbeitslosigkeit stieg im Februar um 6,6 Prozent, bei Männern lediglich um 0,5 Prozent. Auch die Jugendarbeitslosigkeit nimmt wieder leicht zu (+1,0 Prozent).

Zugleich wächst die Gruppe der Langzeitbeschäftigungslosen deutlich: 101.976 Menschen sind seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt – ein Plus von 13,9 Prozent.

Oberösterreich und Kärnten besser

Regional zeigt sich ein gemischtes Bild: Nur Oberösterreich (-1,5 Prozent) und Kärnten (-0,8 Prozent) konnten die Arbeitslosigkeit senken. Insgesamt sei aber, so das Sozialministerium, eine leichte Verringerung des Zuwachses bei Arbeitslosen und Schulungsteilnehmenden erkennbar. Ein schwacher Trost.

Lehrstellenlücke wächst

Besonders problematisch ist die Entwicklung bei den Lehrstellen: Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden ist um 10,8 Prozent gestiegen, während die Zahl der offenen Lehrstellen deutlich gesunken ist.

Die Lehrstellenlücke beträgt inzwischen 2.137 Plätze. Damit bestätigt sich die wachsende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage in der dualen Ausbildung.

Griff nach dem Strohhalm

Die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen ist im Jahresabstand um 10,3 Prozent auf 72.001 gesunken. Das verschärft die Lage für Arbeitssuchende.

Gleichzeitig gibt es aber einen kleinen Hoffnungsschimmer: Der Zugang an neuen offenen Stellen liegt im Februar um 4,1 Prozent über dem Vorjahr. Das könnte – sofern sich der Trend versfetigt – ein erstes Zeichen für eine langsam einsetzende Erholung am Arbeitsmarkt sein.

Zehntausende völlig unqualifiziert

Gleichzeitig investiert das Arbeitsmarktservice verstärkt in Qualifizierungsmaßnahmen. 2025 nahmen rund 74.500 Personen an einer vom AMS finanzierten Fachkräfteausbildung teil – um 3.600 mehr als im Jahr davor.

Dafür wurden 506 Millionen Euro aufgewendet, 34 Millionen mehr als 2024. Alles Steuergeld der Österreicher.

Was tut die Regierung?

Die Regierung versucht gleich gar nicht, die Zahlen schönzureden. Ja, die SPÖ putzt sich lieber an der schwarz-grünen Vorgängerregierung, aber damit am Koalitionspartner ÖVP ab.

Sozialsprecher Josef Muchitsch erinnerte daran, die Regierung habe stark steigende Arbeitslosigkeit, eine schrumpfende Wirtschaft und ein aus dem Ruder gelaufenes Budget von ihren Vorgängern übernommen. Jetzt, ja jetzt seien endlich die Weichen „hin zu einer besseren Entwicklung“ gestellt worden, die da sind: Aus- und Weiterbildung, die geplante Fachkräftestrategie und die Aktion 55+. Letztere soll jährlich drei- bis sechstausend älteren, langzeitarbeitslosen Menschen über 55 Jahren einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen.

Grüne fordern mehr Geld

Den Grünen wiederum geht es ums Geld der Österreich. Davon wollen sie noch mehr.

Angesichts der gestiegenen Arbeitslosigkeit seien die arbeitsmarktpolitischen Budgets für 2025 und 2026 „unzureichend“ dotiert. Im Doppelbudget 2027/28 brauche es daher eine „deutliche Aufstockung“ der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik.

Viel heiße Luft

Die Grünen fordern mehr Geld für Qualifizierung, Weiterbildung, berufliche Umorientierung und dauerhafte Integration in Arbeitsplätze mit Zukunft, ohne konkret zu werden.

Die von der Regierung geplanten Steuererleichterungen für Arbeiten neben der Pension kritisiert er als „arbeitsmarktpolitisch sinnlos“. Die dafür ab 2027 vorgesehenen 370 Millionen Euro seien im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit und bei Maßnahmen für ältere Betroffene besser aufgehoben.

Industrie drängt auf Senkung der Lohnnebenkosten

Die Industriellenvereinigung (IV) sieht die Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit vor allem in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und im internationalen Wettbewerbsdruck.

Generalsekretär Christoph Neumayer fordert eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten. Österreich liege mit einem Abgabenkeil von 47 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 34,9 Prozent.

Konkrete Vorschläge aus der Industrie

Als konkreten Hebel nennt Neumayer die Abschaffung des Beitrags zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) für Unternehmen, der derzeit 3,7 Prozent beträgt, bei gleichzeitiger Finanzierung aus dem Bundesbudget.

Eine entsprechende Studie von Eco Austria prognostiziere dadurch ein reales BIP-Wachstum von rund einem Prozent und eine zusätzliche Arbeitskräftenachfrage von 40.000 Personen. Die dafür nötigen Spielräume ortet die IV in Effizienzsteigerungen der Verwaltung. Zudem verlangt die Industrie eigenkapitalstärkende und investitionsfördernde Maßnahmen, etwa eine „Superabschreibung“.

FPÖ vermisst Engagement

FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch spricht von einer „hartnäckigen Flaute“ in der Wirtschaft und einer Regierung, die „abwartet und relativiert“. Die steigende Arbeitslosenquote zeige, dass die wirtschaftliche Talsohle „nicht kürzer, sondern immer länger und tiefer“ werde.

Einwanderung führt zu Lohndumping

Kritik übt Belakowitsch vor allem an der von Ministerin Schumann und der Koalition in Aussicht gestellten Fachkräftestrategie, insbesondere an der verstärkten Einwanderung über die Rot-Weiß-Rot-Karte. Stattdessen fordert sie eine „echte Aufwertung der Lehre“, um den Fachkräftebedarf durch heimische Jugendliche zu decken.

Einwanderung in größerem Umfang verschärfe aus ihrer Sicht den Druck auf Löhne und öffne Lohndumping Tür und Tor.

Entlastung des Faktors Arbeit

Die FPÖ verlangt einen „echten Kurswechsel“ in Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik: spürbare Entlastung des Faktors Arbeit, Abbau von Bürokratie, gezielte, praxisnahe Qualifizierung und einen Vorrang für österreichische Arbeitnehmer am heimischen Arbeitsmarkt.

Nur mit einer starken heimischen Wirtschaft und klarer Priorität für die eigene Bevölkerung könne der negative Trend gestoppt werden, so Belakowitsch.

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