Deutsche Reisepässe sind zum Ramschartikeln verkommen.

26. Mai 2026 / 07:00 Uhr

Mehr als 300.000 Einbürgerungen: Die Folgen der Ampel-Reform werden sichtbar

Nach Recherchen der Welt am Sonntag wurden im Jahr 2025 allein in 14 Bundesländern mindestens 309.852 Menschen eingebürgert.

Tendenz steigend

Damit ist der bisherige Rekord von 2024 mit knapp 292.000 Einbürgerungen bereits übertroffen.


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Die bundesweite Statistik reicht bis zum Jahr 2000 zurück. Besonders deutlich wird der Anstieg in einzelnen Ländern: In Berlin wurden laut Bericht 39.034 Menschen eingebürgert, fast doppelt so viele wie im Vorjahr; in Nordrhein-Westfalen stieg auch die Zahl russischer Antragsteller deutlich.

Instrument der Wählerbeschaffung

Aus Sicht der AfD bestätigt der neue Rekord eine Entwicklung, vor der die Partei seit Jahren warnt: Der deutsche Pass werde politisch immer stärker von einem besonderen Rechtsstatus am Ende gelungener Integration zu einem Instrument der linken Parteien gemacht, um an der Macht zu bleiben.

Die frühere Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte das Staatsangehörigkeitsrecht liberalisiert. Seit Juni 2024 ist eine Einbürgerung grundsätzlich schon nach fünf statt acht Jahren rechtmäßigem Aufenthalt möglich; außerdem werden mehrfache Staatsangehörigkeiten grundsätzlich hingenommen.

AfD fordert deutlich strengere Regeln

Die AfD hatte die Reform bereits bei ihrer Verabschiedung scharf kritisiert. Mariana Harder-Kühnel erklärte damals für die Partei, die Hürden für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit müssten „deutlich erhöht“ werden. Der deutsche Pass müsse durch einen ernsthaften Nachweis wirtschaftlicher und kultureller Integration verdient werden.

Die AfD fordert unter anderem längere Mindestaufenthaltszeiten, höhere Anforderungen an Sprachkenntnisse und ein Ende des einklagbaren Anspruchs auf Einbürgerung.

Gegenteil geschieht

Geschehen tut genau das Gegenteil. Deshalb sieht sich die AfD in der aktuellen Debatte durch die Zahlen bestätigt. Aus ihrer Sicht zeigt der Rekord, dass die Reform nicht bloß ein symbolischer Akt war, sondern konkrete Massenwirkung entfaltet.

Besonders problematisch erscheint der Partei, dass Einbürgerungen künftig auch stärker aus Schutz- und Flüchtlingsbiografien heraus erfolgen könnten. Viele Menschen aus den Rekord-Einwanderungsjahren 2015 und 2016 erfüllen inzwischen die nötigen Fristen; ab 2027 könnten zusätzlich zahlreiche Ukrainer aus dem Fluchtjahr 2022 die Fünfjahresgrenze erreichen.

Union kritisiert – bleibt aber im Koalitionskorsett

Auch in der Union wächst angesichts der Zahlen der Druck. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Alexander Throm, sprach sich dafür aus, die Einbürgerungsfrist wieder von fünf auf acht Jahre zu verlängern und die generelle Zulässigkeit der doppelten Staatsbürgerschaft zurückzunehmen.

Zudem schlug er vor, eine Einbürgerung direkt aus einem Schutzstatus heraus auszuschließen. Zuerst müsse eine Niederlassungserlaubnis erworben werden, erst danach solle eine Einbürgerungsfrist beginnen.

Drei-Jahresfrist korrigiert

Die Union hatte im Oktober 2025 bereits die sogenannte Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren abgeschafft. In einer Pressemitteilung der CDU/CSU-Fraktion hieß es damals, Staatsangehörigkeit stehe „am Ende der Integration“.

Aus AfD-Sicht bleibt diese Korrektur jedoch unzureichend. Denn die zentralen Ampel-Elemente – Fünfjahresfrist und erleichterte doppelte Staatsbürgerschaft – bestehen fort. Die Union kritisiert zwar die Folgen, ist aber nicht bereit, das Problem zu lösen. Lieber redet sie sich auf die SPD aus. Denn weitergehende Verschärfungen scheiterten bereits in den Koalitionsverhandlungen.

SPD will keine weitere Verschärfung

Und die SPD setzt sich durch. Ja, sie verhöhnt die CDU – und mit ihr alle autochthonen Deutschen – geradezu. SPD-Innenpolitiker Hakan Demir feiert nämlich die höheren Einbürgerungszahlen. Sie bedeuten, dass viele Menschen in Deutschland arbeiteten, die Sprache sprächen und angekommen seien. Zugleich sagte er:

Wir werden daran nichts ändern.

Statt über strengere Regeln zu sprechen, wolle er lieber über Bleibeperspektiven für jene reden, die arbeiteten und integriert seien.

Alle einbürgern

Diese Haltung entspricht der früheren Linie der SPD-Bundestagsfraktion. In einer Pressemitteilung zum Inkrafttreten der Reform 2024 sprach die SPD von einem „zeitgemäßen Einwanderungsrecht“. Die Reform solle Menschen, die längst hier leben und arbeiten, Teilhabe ermöglichen.

Dass dies die grundlegenden Säulen bundesrepublikanischer Politik zum Wackeln bringen könnten, sieht die SPD durchaus. Aber sie betont, dass Antisemitismus, Rassismus und andere menschenfeindliche Handlungen eine Einbürgerung ausschließen müssten. Was das genau bedeutet, ist und bleibt unklar.

Grüne und Linke sehen Teilhabe statt Risiko

Auch den Grünen und Linken kann es nicht schnell genug gehen, den Pass an Fremde zu vergeben.

Die AfD fordert dagegen eine grundsätzliche Wende: Der deutsche Pass soll nicht am Anfang politischer Integration stehen, sondern am Ende eines langen, überprüfbaren und erfolgreichen Integrationsprozesses.


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