Die Situation am Arbeitsmarkt bleibt miserabel: Im Jänner 2026 waren insgesamt rund 456.200 Personen arbeitslos oder in Schulung, das sind um 10.700 Personen bzw. 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr, und die Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent.
Österreichs Wirtschaft schrumpft
SPÖ-Arbeitsministerin Korinna Schumann verwies auf die weiterhin schwache Konjunktur, sprach jedoch von ersten Anzeichen einer Stabilisierung. Als zentrale Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik nannte sie Qualifizierungsmaßnahmen sowie gezielte Unterstützung junger Menschen beim Einstieg ins Berufsleben. Österreich befindet sich bereits seit Mitte 2022 in einer Phase der Stagnation. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte 2023 um 0,8 Prozent und 2024 um 0,7 Prozent. Für 2026 prognostizieren WIFO und IHS ein Wachstum von 0,5 Prozent. Dieses leichte Wirtschaftswachstum soll den Arbeitsmarkt mittelfristig entlasten.
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Weitere InformationenWeniger AMS-Schulungen
Ende Jänner 2026 befanden sich 76.421 Personen in AMS-Schulungen, was einem Rückgang von 4,2 Prozent entspricht. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Wien (minus 11,7 Prozent), Salzburg (minus 4,6 Prozent) und Vorarlberg (minus 1,8 Prozent) aus. Zuwächse wurden hingegen in Tirol (plus 5,8 Prozent) und Oberösterreich (plus 5,1 Prozent) verzeichnet.
Auffällig viele Frauen arbeitslos
Nach Geschlecht und Staatsbürgerschaft betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen um sieben Prozent, bei Männern um 1,9 Prozent. Bei Österreichern lag der Anstieg bei 4,2 Prozent, bei Ausländern bei 3,3 Prozent.
14,1 Prozent mehr Langzeitarbeitslose
Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm deutlich zu. Insgesamt waren 101.536 Personen seit mindestens einem Jahr arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Zuwachs von 12.569 Personen beziehungsweise 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Weniger offene Stellen
Beim AMS waren 68.463 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 10,5 Prozent. Als Ursache gilt die nachlassende betriebliche Nachfrage infolge der schwachen Konjunktur.
Jugendarbeitslosigkeit moderat gestiegen
Die Jugendarbeitslosigkeit entwickelte sich vergleichsweise stabil und stieg um 1,6 Prozent. Gleichzeitig nahm die Zahl der Lehrstellensuchenden um 9,2 Prozent beziehungsweise 796 Personen zu. Die Zahl der offenen Lehrstellen sank um 1.039, wodurch sich eine Lehrstellenlücke von rund 3.500 Plätzen ergab.
Weniger Lehrstellen als Interessenten
In nahezu allen Bundesländern überstieg die Zahl der Suchenden jene der verfügbaren Lehrstellen. Ein Überhang an offenen Lehrstellen bestand lediglich in Oberösterreich, Salzburg und Tirol. Die Gesamtzahl der Lehrlinge ging im Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent zurück. Die Ausbildung konzentriert sich zunehmend auf größere Betriebe, während der Anteil kleiner Lehrbetriebe weiter sinkt.
Arbeitsmarkt für Akademiker problematisch
Besonders starke Anstiege der Arbeitslosigkeit wurden bei bestimmten Gruppen verzeichnet. Bei Akademikern lag der Zuwachs bei 12,7 Prozent, bei Menschen mit Behinderung bei 12,6 Prozent und bei Personen über 60 Jahren bei 12,1 Prozent. Die geringste Arbeitslosenzahl wurde bei Personen mit mittlerer Ausbildung festgestellt, mit insgesamt 21.164 Betroffenen.
Politisches Versagen in allen Bereichen
FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch erklärte, das neue Jahr habe am Arbeitsmarkt dort begonnen, wo das alte geendet habe. Der weitere Anstieg der Arbeitslosigkeit sei aus ihrer Sicht kein Anlass für positive Bewertungen. Auch die von der Verlierer-Ampel vorgestellte industrie- und energiepolitische Strategie wurde von der FPÖ-Sozialsprecherin kritisiert. Diese sei nicht geeignet, Produktion, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig abzusichern. Insbesondere der geplante Industriestrompreis, der frühestens ab 2027 umgesetzt werden soll, sei problematisch. In diesem Zusammenhang verwies Belakowitsch auf Unternehmens-Insolvenzen: Laut KSV 1870 würden in Wien täglich sieben Firmen insolvent, österreichweit seien es weiterhin 19 pro Tag.
Abwanderung und Personalabbau nehmen zu
Die Kombination aus steigenden Steuern und Abgaben, wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmenden Insolvenzen werde sich weiter verschärfen und die Arbeitslosigkeit weiter erhöhen. Der Bundesregierung warf Belakowitsch vor, weder ein Konzept zur Sicherung bestehender Arbeitsplätze noch eine Strategie für Qualifizierung und Umschulung im Zuge des technologischen Wandels zu haben. Steigende Lohnnebenkosten, Bürokratie und eine wirtschaftsfeindliche Politik würden Betriebe zur Abwanderung oder zum Personalabbau zwingen.
Überbetriebliche Lehre nur Notmaßnahme
Tausende Jugendliche würden eine Lehrstelle suchen, während Betriebe aufgrund der wirtschaftlichen Lage keine Ausbildungsplätze anbieten könnten. Die überbetriebliche Lehre bezeichnete sie nicht als Lösung, sondern als kostenintensive Übergangsmaßnahme. Aus Sicht der FPÖ sind reguläre Lehrstellen in wirtschaftlich gesunden Betrieben notwendig.
