„SPÖ-Mann Nevrivy würde 100.000 Gemeindewohnungen verklopfen“ – diese Schlagzeile war im profil zu lesen und schockte wahrscheinlich nicht nur die Genossen in Wien, sondern auch viele Mieter in den insgesamt 220.000 Gemeindewohnungen.Â
“Heiligtum” veräußern
Bisher nämlich betrachteten die Roten die Gemeindewohnungen quasi als ihr Heiligtum. Wurden die Freiheitlichen der SPÖ bei den Landtagswahlen zu gefährlich, machten die Genossen den Mietern in den Sozialwohnungen regelmäßig mit der Drohung Angst, dass die Blauen, einmal an der Macht, die Gemeindewohnungen privatisieren würden. Und jetzt? Ausgerechnet ein SPÖ-Mann, nämlich der Bezirksvorsteher aus Wien-Donaustadt, Ernst Nevirvy, schlägt vor, was die eigene Partei stets der FPÖ zugeschrieben hatte.
Nevrivy sagte, was er wirklich denkt
Bei einem Mittagessen in vertraulicher Runde mit Ex-SPÖ-Kanzler Werner Faymann (er soll dieses Treffen eingefädelt haben), der Wiener SPÖ-Spitze und den Bossen des Versicherers Vienna Insurance Group soll Nevrivy ausgesprochen haben, was er wirklich über die Wiener Gemeindewohnungen denkt, schrieb das profil.Â
“Unglaubwürdiger geht es nicht mehr, Herr Bürgermeister!”
Die neuesten Enthüllungen machten den Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp fassungslos. Wörtlich sagte er in einer Aussendung:
Der eigentliche Skandal reicht längst über Ernst Nevrivy hinaus und führt direkt zu Bürgermeister Michael Ludwig. Ludwig saß selbst bei jener brisanten Runde mit SPÖ-Granden und Versicherungsbossen am Tisch, bei der laut Medienberichten ein möglicher Verkauf von Wiener Gemeindewohnungen Thema war. Nun lässt er in seiner Verzweiflung erklären, ein Verkauf wäre niemals angedacht oder in Erwägung gezogen worden. Unglaubwürdiger geht es nicht mehr, Herr Bürgermeister!
Protokoll eines Wiener Machtsystems
Das Gerede von einer angeblich unautorisierten Aufnahme oder einer bloß launigen Herrenrunde ziehe laut Nepp längst nicht mehr. Dieses Tonband sei vielmehr ein schonungsloses Protokoll darüber, wie in diesem Wiener Machtsystem Politik gemacht wird. Je mehr Details ans Licht kommen, desto mehr verdichte sich das Bild eines Systems der Packelei und Hinterzimmerpolitik.
Welche Absprachen kommen noch ans Tageslicht?
Damit – so Nepp weiter – würden auch die Aussagen des zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck über die mutmaßliche Intervention rund um das AUVA-Projekt zusätzliches Gewicht bekommen. Man dürfe gespannt sein, welche Absprachen und Deals aus dieser Runde noch ans Tageslicht kommen.
