Seit Anfang Mai kämpft Kenia mit einem akuten Benzin- und Dieselmangel. Ursache sind Verzögerungen bei der Frachtfreigabe durch das Kenyia Bureau of Standards (KEBS) im Hafen von Mombasa. Tankstellen in Nairobi und anderen Städten gehen zunehmend leer aus, während globale Lieferkettenprobleme infolge der Nahost-Konflikte die Lage zusätzlich verschärfen.
Fehlende Bescheinigungen und Panikkäufe
Schiffe wie die MT Santhia mit 121.000 m³ Benzin und die MT Minerva Pisces mit 85.000 m³ Diesel warteten zuletzt stundenlang auf ihre Freigabe, da erforderliche Konformitätsbescheinigungen (CoC) fehlten. Besonders betroffen sind große Importeure wie Vivo Energy, Rubis Energy Kenya und TotalEnergies. Gleichzeitig verschärfen Panikkäufe den Druck auf die Versorgungslage. Die Regierung hob die Schwefelgrenzwerte vorübergehend für sechs Monate von 10 parts per million (ppm) auf 50 ppm an, um zusätzliche Bezugsquellen erschließen zu können.
Tankstellen ohne Benzin
In Nairobi sind inzwischen mehr als 60 Prozent der Tankstellen trocken. An verbleibenden Stationen bilden sich lange Warteschlangen, viele Fahrer greifen notgedrungen zu teurerem Premiumkraftstoff wie V-Power. Sammeltaxis erhöhen ihre Preise, der öffentliche Verkehr gerät ins Stocken, zugleich nimmt das Verkehrsaufkommen ironischerweise ab.
Hormus-Krise verschärft die Lage
Zusätzlich belasten Spannungen im Nahen Osten die globale Ölversorgung. Die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigt rund 25 Prozent der weltweiten Öllieferungen. Kenia, das stark auf staatliche Lieferabkommen mit Golfstaaten angewiesen ist, sucht inzwischen nach alternativen Bezugsquellen. Die aktuellen Reserven sollen noch etwa 19 Tage reichen; weitere Tanker wie die STI Park und die MT Fortitude werden erwartet. Die Behörden rechnen mit einer schrittweisen Entspannung der Lage, warnen jedoch weiterhin vor Panikkäufen.
Die Krise trifft die kenianische Wirtschaft empfindlich: Transportkosten steigen, industrielle Abläufe geraten unter Druck und die Lebenshaltungskosten ziehen weiter an. Experten sehen darin auch strukturelle Probleme wie die hohe Importabhängigkeit und chronische Engpässe im Hafenbetrieb und fordern eine stärkere Diversifizierung der Energieversorgung.
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