Der ORF hat gestern, am Ostermontag, in der Sendung „ZIB 2 History“ das 70-jährige Bestehen der FPÖ beleuchtet – inklusive dem üblichen Framing gegen die Blauen mit entsprechenden Gästen. Aber es gab auch ein im ORF selten gewordenes Interview mit Parteichef Herbert Kickl.Â
Nur noch eine Wahl vom System-Wechsel entfernt
Auf die Frage der Moderatorin Margit Laufer, wo Kickl die FPÖ in zehn Jahren sehen werde, antwortete er:
Ich hoffe, dass die freiheitliche Partei auf Bundesebene das große Ziel erreichen kann, eine Regierung anzuführen – und zwar mit deutlicher Mehrheit. Ich glaube, dass wir nur noch eine Wahl davon entfernt sind. Und dann haben wir den ganz großen Ehrgeiz, zu beweisen, dass dieser System-Wechsel, von dem wir immer sprechen, weg von einer Politik ‚von oben herab‘ hin zu einem dienen der eigenen Bevölkerung von Erfolg getragen wird.Â
Haider hat Partei von zehn auf 27 Prozent geführt
Die Ära von Jörg Haider in der FPÖ sah Kickl als Wendepunkt und Karrieresprung sowohl für Haider als auch für die Freiheitlichen. Haider habe das österreichische, demokratische System „dynamisiert“. Er habe die Partei von zehn auf 27 Prozent geführt. Nach der Spaltung der Partei und der Gründung des BZÖ habe es im Jahr 2008 eine Aussprache mit Jörg Haider gegeben – „und wer weiß, wie das ausgegangen wäre, hätte er 2008 nicht den Unfall gehabt“.
Zum Bruch der Koalition mit der ÖVP unter Parteichef Haider sagte Kickl, es sei wahrscheinlich der größte politische Fehler von ihm gewesen, nicht den stärksten Spieler an der Spitze der Partei zu haben und an der Spitze einer Regierungspartei.
ÖVP wurde wortbrüchig
Kickl wehrte sich gegen die Behauptung, dass es in der FPÖ aufgrund von Flügelkämpfen zu Koalitionsbrüchen gekommen sei. Im Fall „Ibiza“ wären das keine Flügelkämpfe gewesen, sondern ein individuelles Fehlverhalten von zwei Führungs-Funktionären vor laufender Kamera, die aufgenommen worden wären, bei lauter Dummheiten und verantwortungslosen Blödheiten.
Beide hätten sofort die Konsequenzen gezogen. Man habe mit der ÖVP vereinbart, dass die Regierung, die sehr populär gewesen sei, weitergeführt werde – „und die ÖVP hat das gemacht, was sie sehr gerne macht. Sie ist wortbrüchig geworden, hat den Koalitionsvertrag verändern wollen, hat ihn damit gebrochen und das hat zu Neuwahlen geführt“.Â


