Vor knapp über 111 Jahren erklärte das Königreich Italien Österreich-Ungarn den Krieg. Damit begann am 23. Mai 1915 an der Tiroler Front ein blutiges Kapitel, das unzählige Familien auf beiden Seiten ins Unglück stürzte. Der Andreas-Hofer-Bund Tirol (AHBT) erinnert an dieses Datum und verbindet die Mahnung mit einem klaren Auftrag für die Gegenwart: Frieden bewahren und Dialog suchen.
Der Beschuss von Lusern
Bereits in den ersten Tagen traf der Krieg die Zivilbevölkerung hart. In Lusern gerieten Bewohner auf dem Weg zum Frühgottesdienst unter schweren Artilleriebeschuss italienischer Stellungen, darunter das Panzerfort Forte Campolongo. Laut AHBT-Obmann Luis Wechselberger kam dabei unter anderem die 16-jährige Berta Nicolussi Zatta ums Leben, die in der Kirche Schutz suchte und eine Woche später starb. Das Dorf wurde schwer beschädigt, viele Familien mussten fliehen. Das österreichisch-ungarische Werk Lusern stand unter massivem Beschuss.
Gespaltene italienische Gesellschaft
Dem Kriegseintritt waren geheime Verhandlungen mit London und Paris vorausgegangen. Teile der italienischen Führung verbanden damit territoriale Gewinne und nationalistische Ideen des Risorgimento. Der AHBT betont jedoch ausdrücklich, dass große Teile der italienischen Bevölkerung den Krieg ablehnten. Sozialisten, Gewerkschaften, katholische Kreise und Friedensbewegte standen dagegen. Selbst Benito Mussolini wurde als damaliges Mitglied der Sozialistischen Partei wegen seiner Kriegsbefürwortung ausgeschlossen – ein Zeichen für die tiefe Spaltung der italienischen Gesellschaft.
Opfer auf beiden Seiten
An der Südfront verloren hunderttausende Soldaten ihr Leben. Auf italienischer Seite starben laut historischen Angaben rund 650.000 Soldaten. Österreich-Ungarn verzeichnete insgesamt etwa 1,1 Millionen Gefallene an allen Fronten des Ersten Weltkriegs. Der AHBT hebt hervor, dass die einfachen Soldaten – ob österreichisch-ungarisch oder italienisch – vielfach Opfer politischer Interessen, nationalistischer Hetze und medialer Stimmungsmache wurden. Die meisten wollten nicht kämpfen, sondern leben und zu ihren Familien zurückkehren.
Brücken bauen statt Gräben aufreißen
Der Andreas-Hofer-Bund Tirol sieht es als seine Aufgabe, heute Brücken zu bauen und nicht alte Gräben in Form von Revanchismus aufzureißen. Die Tiroler und Südtiroler Geschichte dürfe nicht gegen das italienische Volk instrumentalisiert werden. Stattdessen brauche es ein gemeinsames Erinnern an das Leid aller Betroffenen. Der Bund versteht sich ausdrücklich als Brückenbauer zwischen den Menschen und Volksgruppen und reicht allen friedliebenden Menschen – auch in Italien – die Hand.
Warnung vor aktuellen Entwicklungen
Der AHBT warnt davor, aus der Geschichte keine Lehren zu ziehen. Mit Sorge beobachte man, dass heute wieder vermehrt über militärische Lösungen gesprochen werde und mediale Zuspitzungen sowie gegenseitige Feindbilder zunehmen:
Geschichte darf niemals zur Rechtfertigung neuer Konflikte dienen (…) Wir gedenken aller Opfer – unabhängig von Sprache, Herkunft oder Uniform. Die Verantwortung unserer Zeit besteht darin, Frieden, Dialog und gegenseitigen Respekt zu bewahren.

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