Der Konflikt zwischen Budapest und Kiew eskaliert weiter: Nun hat Ungarn drei Ukrainer von der Einreise in das Land und damit in den Schengen‑Raum ausgeschlossen.
Prominente Ukrainer dürfen nicht mehr in EU
Nach Angaben von Gergely Gulyás, Chef des Ministerbüros von Ministerpräsident Viktor Orbán, gelten die Sperren für den ehemaligen ukrainischen Generalleutnant Hryhoriy Omelchenko, den Militär‑Aktivisten Yevhen Karas von der faschistischen Gruppe C14 sowie den politischen Analysten Borys Tiesenhausen. Alle drei hatten Orbán persönlich gedroht.
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Weitere InformationenDrohungen gegen Ungarn haben Konsequenzen
Omelchenko hatte in einem TV‑Interview Orbáns Familie namentlich erwähnt und in Richtung des ungarischen Regierungschefs geäußert, er solle an seine Kinder und Enkel denken – eine eindeutige Drohung gegen den ungarischen Regierungschef. Karas hatte, wie berichtet, in einem Interview behauptet, ukrainische Streitkräfte könnten „in zwei Minuten“ in Ungarn eintreffen. Tiesenhausen hatte darüber gesprochen, ob ukrainische Truppen in Richtung Ungarn verlegt werden könnten, und gewarnt, dass politische Führer, die auch nach dem Krieg enge Energie‑Kooperationen mit Moskau pflegten, „nicht straflos davonkommen“ würden – wobei die Namen Orbáns und des slowakischen Premierministers Robert Fico explizit fielen.
Ungarisches gegen Russland-Sanktionen und Ukraine-Hilfen
Nach einem Drohnenangriff auf die ukrainische Rohöl‑Pumpstation Brod im Januar 2026, für den sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich machen, und der die Öl‑Lieferungen über die Druschba-Pipeline nach Ungarn abriss, verhängte Orbán ein Veto gegen das 20. EU‑Sanktionspaket gegen Russland sowie gegen einen geplanten 90-Milliarden-Euro‑Kredit an Kiew. Brüssel überlegt inzwischen, sich über Ungarns Widerspruch hinwegzusetzen und die neuen Milliardengeschenke an die Ukraine trotzdem freizugeben.
Ein Konflikt mit Vorgeschichte
Die Reaktionen der Ukraine waren gewohnt feindselig: Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach dem Veto gegen die Russland-Sanktionen in einer Rede Orbán indirekt gedroht, dessen Telefonnummer „der ukrainischen Armee“ zu geben, damit sie „in ihrer eigenen Sprache mit ihm spreche“. Ungarn ließ daraufhin sieben Ukrainer festnehmen, beschlagnahmte zudem Vermögenswerte der ukrainischen Staatsbank Oschadbank und verabschiedete eine parlamentarische Resolution, die der EU‑Beitrittsambition der Ukraine eine klare Absage erteilt. Außerdem hatte Ungarn die militärische Präsenz an der ukrainischen Grenze gegen befürchtete Sabotageakte des Nachbarlands verstärkt.
In Ungarn wird gewählt
Die Veröffentlichung der Einreiseverbote erfolgt 24 Tage vor der Parlamentswahl, in der sich Orbán um die erneute Verlängerung seiner 16‑jährigen Amtszeit bemüht – und zwar unter für ihn ungewohnt hohem Druck. Die Oppositionspartei TISZA, geführt von Péter Magyar, führt in Umfragen mit rund 55 Prozent der entschlossenen Wähler, während Fidesz laut denselben Erhebungen nur noch etwa 35 Prozent erreicht.
