Die Aussagen eines vermeintlichen Flughafenmitarbeiters werfen neue Fragen zum Leipziger Drohnen-Vorfall auf (Symbolbild).

16. September 2026 / 12:36 Uhr

Tonaufnahme zum Drohnenfall: Flughafen-Mitarbeiter widerspricht offizieller Version

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle war der Schuldige schnell ausgemacht: Altparteien und Mainstream-Medien sahen Russland hinter dem Vorfall – doch jetzt sorgt eine Tonaufnahme für neue Fragen.

Flughafenmitarbeiter meldet sich zu Wort

Ein Mann, der nach eigenen Angaben dort arbeitet, schildert den Vorfall deutlich anders als die bisher bekannte Ermittler-Version. Veröffentlicht wurde der stimmverfremdete Mitschnitt gestern, Dienstag, vom ukrainischen Blogger Anatolij Scharij. Der angebliche Flughafenmitarbeiter sagt darin, in der betreffenden Nacht selbst Dienst gehabt zu haben. Ein Kollege habe kurz vor Mitternacht eine kleine Drohne bemerkt und sie nach seiner Darstellung sogar mit der Hand zu Boden gedrückt. Bei dem Fluggerät habe es sich um eine gewöhnliche Consumer- beziehungsweise Hobby-Drohne gehandelt.

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Kein Sprengstoff an der Drohne zu sehen

Der Informant, dessen Identität nicht sicher bestätigt werden kann, behauptet, an der Drohne selbst sei kein Sprengstoff zu sehen gewesen. Am nächsten Morgen habe er dann in den Nachrichten Bilder gesehen, auf denen neben der Drohne Sprengmaterial gezeigt wurde. Auch der Mitarbeiter, der die Drohne unmittelbar wahrgenommen haben soll, sei nach Angaben des Informanten nicht ausführlich befragt worden.

Spätere Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergaben tatsächlich, dass Drohne und Sprengsatz beim späteren Auffinden einige Meter voneinander entfernt lagen. Nach der Rekonstruktion der Ermittler war die Drohne bereits gegen 19.30 Uhr auf die Tragfläche einer geparkten ukrainischen Antonow geprallt. Dabei soll sich der Sprengsatz gelöst haben.

Sprengsatz erst später gefunden

Der Sprengsatz wurde demnach erst mehrere Stunden später neben der Drohne gefunden. Laut den Recherchen handelte es sich um eine Konservendose mit rund 600 Gramm Semtex. Ermittler fanden außerdem DNA-Spuren an Drohne und Sprengsatz sowie eine Antenne in der Umgebung, die möglicherweise zur Steuerung beziehungsweise Signalverstärkung diente.

Drohne fiel alleine zu Boden

Auch ein anderes Detail irritiert: Ein Mitarbeiter hatte geschildert, die fliegende Drohne mit der Hand zu Boden gedrückt zu haben. Die Auswertung von Überwachungskameras kommt jedoch zu einer anderen Rekonstruktion: Demnach war das Fluggerät bereits Stunden zuvor gegen die Tragfläche der Antonow geprallt und zu Boden gefallen.

Auch bei der behaupteten Geschwindigkeit des Einsatzes bleiben Fragen offen. Der Informant spricht von nur zwei bis drei Minuten, bis Bundespolizei, Sicherheitskräfte, Entschärfungstechnik und Medien vor Ort gewesen seien.

Offizielle Version inzwischen deutlich konkreter

Unterdessen ist die offizielle Darstellung seit August erheblich ausgebaut worden. Bereits am 5. August war zunächst von einem unbekannten Flugobjekt und einem Gegenstand im Bereich der Südpiste die Rede. Noch am selben Tag sprachen Generalstaatsanwaltschaft Dresden und Landeskriminalamt Sachsen von einer „Drohne mit einer unbekannten Sprengvorrichtung“. Spätere Recherchen brachten PETN, Semtex und einen Zünder ins Spiel.

Die Ermittler gehen inzwischen von einem gezielt präparierten Fluggerät aus. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung war die Drohne technisch modifiziert, unter anderem mit zusätzlicher Stromversorgung, Kamera, 5G-Router und SIM-Karten. Das Bundeskriminalamt hält demnach eine Steuerung über das Mobilfunknetz aus größerer Entfernung für möglich.

Russland soll wieder Schuld sein

Die Bundesregierung erklärte am 1. September – wenig überraschend – Russland für den versuchten Anschlag verantwortlich. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) verwies auf polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse. „Zusammen betrachtet, belegen polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse eine russische Verantwortung“, sagte Dobrindt laut Bundesregierung. Die strafrechtlichen Ermittlungen laufen allerdings weiter.

Noch am vergangenen Samstag berichtete die tagesschau unter Berufung auf Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, die Ermittlungen führten offenbar bis zum russischen Militärgeheimdienst GRU. Ein mutmaßlicher GRU-Mitarbeiter soll als Logistiker der Operation fungiert haben. Moskau weist eine Beteiligung zurück.

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