Bei der Veranstaltung „Österreich im Gespräch“ im Rahmen seiner Sommertour stellte eine Besucherin den Kanzler auf die harte Realität vieler Mütter. Frauen leisteten im Schnitt 96 Stunden pro Woche unbezahlte Kinderbetreuungsarbeit – ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub. Immer mehr Frauen würden sich gegen Kinder entscheiden, weil die Doppelbelastung nicht mehr zu stemmen sei. Wie berichtet, antwortete Stocker darauf unmissverständlich und erklärte die Kindererziehung zur Nicht-Arbeit.
Inzwischen hat sich der ÖVP-Chef für seine Aussagen entschuldigt, scharfe Kritik gibt es unter anderem von der FPÖ.
Stocker vor Publikum: „Würde ich nicht als Arbeit sehen“
„Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich.“ Familie sei für ihn keine bezahlte Arbeit und kein „Business Case“, kein Rechenbeispiel. Er habe seine eigenen Kinder nicht als solches erzogen. Familie bedeute Verantwortung füreinander und etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. Die Reaktion im Saal ließ nicht lange auf sich warten. Buhrufe und Widerspruch waren die unmittelbare Antwort. Moderatorin Arabella Kiesbauer hielt dagegen, dass das System ohne die Leistungen der Mütter zusammenbrechen würde.
FPÖ: „Pechschwarze Seele der blasierten ÖVP“
FPÖ-Obmann Herbert Kickl hatte sich bereits dazu geäußert, die freiheitliche Familiensprecherin Edith Mühlberghuber spricht nun von einer „familienfeindlichen Zäsur“. Die täglichen Entbehrungen der Mütter und Väter, die dieses Land am Laufen halten, würden von der Bundes-ÖVP schlicht nicht verstanden. „Diese schwarzen Sager sind keine Ausrutscher, so ist die pechschwarze Seele der blasierten ÖVP.“ Weiter führt sie aus:
Die Verlierer-Ampel kennt keinen Genierer, wenn sie den Bürgern eiskalt ins Geldbörsel greift. Vor allem Familien mit Kindern müssen dank der hausgemachten Teuerung jeden Euro zweimal umdrehen, und dann verhöhnt die Regierungsspitze alle Frauen und Männer mit einem Erziehungsauftrag. Es ist zum Fremdschämen
Entschuldigung nach Welle der Empörung
Stocker hat sich am Freitagvormittag via X entschuldigt und den Satz als falsch bezeichnet. Kinderbetreuung sei Arbeit, gerade Frauen leisteten Großartiges. Gleichzeitig betonte er erneut, Familie sei kein Unternehmen und kein Business Case. Die politische Rechnung für den Sager ist damit allerdings noch lange nicht beglichen.
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Weitere InformationenSolche Aussagen haben System in der ÖVP
Schon unter seinem Vorgänger Karl Nehammer hatte die ÖVP mit Sager wie dem Burger-Tipp für arme Familien und der Formulierung „Alkohol oder Psychopharmaka“ im Zusammenhang mit der Teuerung für Empörung gesorgt. Mühlberghuber ordnet Stockers Worte genau in diese Linie ein:
Burger für Kinder, Alkohol oder Psychopharmaka für die Bevölkerung, Teilzeitarbeitskräfte und die körperliche, mentale und emotionale Schwerarbeit aller Mütter sind laut Bundes-ÖVP wertlos. Diese schwarzen Sager sind keine Ausrutscher, so ist die pechschwarze Seele der blasierten ÖVP. Keine Ahnung von den Entbehrungen der vielen Mütter und Väter, die mit ihren täglichen Leistungen dieses Land überhaupt am Laufen halten.
