Unzensuriert hat eine Bürgerwehr in Wien-Donaustadt besucht, die österreichweit für Furore sorgt. Was mit Bikern begann, wuchs zu einer Solidaritäts-Gemeinschaft mit Nachbarn aus.Â
Freitagabend am Cicekplatz im 22. Wiener Gemeindebezirk. Gleich neben dem Kreisverkehr sitzt Heiko Köchel und andere Personen auf Klappstühlen in einer Wiese, die Motorräder stehen auf dem Parkplatz. Köchel – er kommt ursprünglich aus Brandenburg, Deutschland – hat hier etwas auf die Beine gestellt, was in Österreich bislang einmalig ist: Eine Bürgerwehr gegen kriminelle Jugendbanden.
Brutal zusammengeschlagen
Seit 7. Juli patrouillieren auf dem Cizekplatz Biker und Hausfrauen aus der Nachbarschaft, um im Grätzel wieder für Ruhe zu sorgen. Angefangen hat es damit, dass zwei Freunde von Köchel von einer zum Großteil migrantischen Jugendbande brutal zusammengeschlagen wurden. Für Köchel, der nach eigenen Angaben selbst in einem Problembezirk aufgewachsen ist, war klar: „Da muss man etwas tun!“ Biker-Freunde schlossen sich an und wachen seither über das Grätzel, in dem zuvor praktisch täglich Übergriffe auf Passanten erfolgten und Anrainer mit Lärm terrorisiert wurden.
Mit Geldstrafe bedroht
„Als plötzlich 40 Biker aufgefahren waren, riefen die Jugendlichen die Polizei“, erzählt Köchel. „Plötzlich fuhren Streifenwagen mit Blaulicht auf, auch ein Wega-Team war dabei“. Später habe man die Anrainer-Gemeinschaft von der Wiese vertreiben wollen. Ein Polizist drohte den „Beschützern“ mit einer Geldstrafe von 700 Euro – wegen wilden Campierens. Heute werde die Bürgerwehr, die für Ordnung sorgen möchte, von der Exekutive toleriert.
Anrainer bringen Essen und Getränke
Wache gehalten wird praktisch täglich von 17 bis 22 Uhr. Einmal sind es zehn, ein anderes Mal zwanzig Personen, die sich auf der Wiese am Cizekplatz treffen. Anrainer bringen Getränke, aber auch Gegrilltes vorbei. Als Dank dafür, dass sich endlich jemand kümmert um die Sicherheit in ihrer Gegend. Auf die unzensuriert-Frage, was die Bürgerwehr im Ernstfall tun würde, antwortete Köchel: “Wir verständigen zuerst die Polizei, aber wenn jemand mit dem Messer auf mich zugeht, werde ich ihn auf den Boden niederringen und festhalten, bis die Beamten eintreffen”.
Opposition fordert mehr Polizei
Wie berichtet, bedauerte Toni Mahdalik, Zweiter Präsident des Wiener Landtags und FPÖ-Politiker aus Wien-Donaustadt, dass sich die Bürger selbst schützen müssen. Mahdalik forderte auf seiner Facebook-Seite, nachdem unter anderem in der Kronen Zeitung Artikel darüber erschienen sind, unmissverständlich: „Wien braucht endlich wieder Recht und Ordnung statt rot-pinker Verharmlosung.“ Die FPÖ verlangt mehr Polizei, konsequentes Durchgreifen und null Toleranz gegenüber Gewalt und Jugendkriminalität.
