Der charakteristische Bogen der Bildungsreisen spannt sich weiter als von der Kavalierstour bis zur heutigen Klassenfahrt. Dennoch ist letztere wichtiger Bestandteil schulischer Bildung. Das gilt auch für die Studienreisen und akademischen Ortswechsel europäischer Studenten.Â
Gastkommentar der EU-Abgeordneten Elisabeth Dieringer
Duch die verfehlte Energiepolitik und wirtschaftliche Fehlentscheidungen der EU sind allerdings Bildungsreisen, Austauschprogramme, Auslandsstudien, Praktika und Jugendbegegnungen in den finanziellen Engpass geraten. Die allgemeine Teuerung – besonders diejenige im Energiesektor – steht dem Erasmus+ Programm der EU-Kommission im Wege. Erasmus+ wird EU-seitig als Programm für Bildung, Ausbildung, Jugend und Sport 2021–2027 gesehen. Aufenthalte in einem anderen Land zum Studieren, Lernen und Arbeiten sollen „Standard“ werden. Diese erträumte Mobilität hat nur einen Haken: Sie ist vielfach nicht für alle leistbar. Das liegt auch am traditionell leeren Geldbeutel der Schüler und Studenten, es liegt aber auch daran, dass mittlerweile viel zu häufig die finanziellen Mittel aus dem familiären Unterstützungsumfeld versiegen. Da nützen auch die von der EU-Kommission angekündigten höheren Mobilitätszuschüsse bei Klassen- oder Studienreisen im Rahmen von Erasmus+ nichts.
EU lässt auch bei Erasmus+ teuren Fetisch hochleben
Trotzdem es etwa für Österreich keine Statistik gibt, die belegt, wie viele Bildungsreisen genau wegen Kraftstoff- und Energiepreisen ausgefallen sind, so ist eines klar: Es sind stark gestiegene Transportkosten, höhere Unterkunfts- und Betriebskosten sowie die sinkende Zahlungsfähigkeit von Familien, die die gewünschte „Kultur-Mobilität“ zunehmend verunmöglichen – das belegen Branchenbefragungen.
Völlig verrückt ist es, dass die EU-Kommission auch bei Erasmus+ den teuren Fetisch der „Nachhaltigkeit“ hochleben lässt. In völliger Ignoranz der Tatsache, dass die sogenannte Transformation der europäischen Volkswirtschaften durch öko-sozialistische Planspiele des Green Deal das Leben der Europäer nicht nur im Energieberiech verteuerte, geben die Brüsseler Zentralokraten Bildungsreisen beziehungsweise Lernmobilität den erwähnten Stellenwert. Aber wer zahlt das alles? Green Deal, Fit for 55, Erasmus+…
Budget für Erasmus+ hat sich fast verdoppelt
Allein Erasmus+ 2021–2027 hat ein Budget von rund 26,2 Milliarden Euro – das ist fast doppelt so viel wie 2014–2020. Nach dem Willen der Kommission sollen Bildungsreisen und Mobilität mit Inklusion, europäischer Identität, interkulturellem Austausch, Arbeitsmarktfähigkeit sowie grüne und digitale Transformation strategisch verknüpft werden; der Rat nennt als Schwerpunkt auch demokratische Teilhabe. Man will mit der neuen Programmgeneration mehr Teilnehmer, höhere Zuschüsse bei Preissteigerungen und Anreize für nachhaltiges Reisen generieren und auszahlen.
Lebenshaltungskosten belasten Studenten
Bleibt nach dem frommen Wunsch die Realität. Zwar ist die Bildungsreiselust 2026 nicht nachweislich aus Teuerungsgründen eingebrochen, aber hohe Kosten sind für Nicht-Reisende trotzdem der wichtigste Hinderungsgrund. Gleichzeitig entscheidet man sich eher für Inlands- beziehungsweise nähere Reisen. Eine Quacquarelli-Symonds-Studie von 2025 weist nach, dass Lebenshaltungskosten als Sorge von 67 Prozent der Studieninteressierten im Zentrum stehen. In Österreich waren 2025 ein Viertel der Studenten in finanziellen Schwierigkeiten, die Wohnkosten stiegen 2015–2025 um rund 50 Prozent und machen fast 40 Prozent des normalen Studentenhaushalts aus. Angesichts dessen ist es offensichtlich, dass die hochfliegenden Bildungsprogramme der EU besser von ökonomischen Weichenstellungen abgelöst werden, die den Alltag der Europäer insgesamt wieder leistbar machen und die Abgabelasten deutlich verringern. Bildung? Ja natürlich, aber nur um einen bezahlbaren Preis.

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