“Kommunikation war ein Desaster”: Jetzt gehen sogar die eigenen Funktionäre auf Wirtschaftskammer-Boss Harald Mahrer los.

9. November 2025 / 08:07 Uhr

WKO-Funktionäre über Boss Mahrer „erschüttert und persönlich getroffen“

Ist der Rücktritt des Präsidenten der Wirtschaftskammer (WKO), Harald Mahrer, nur noch eine Frage der Zeit, oder putzt sich der ÖVP-Funktionär nach seinem dilettantischen Vorgehen in der Gehaltsdebatte – wie es in seiner Partei oft üblich ist – einfach ab und geht zur Tagesordnung über.

28.500 Euro als monatliches Einkommen

Noch hat Mahrer einen Rücktritt ausgeschlossen. Doch er gerät immer mehr unter Druck. Wegen seines ungenierten Abkassierens und seines Kommunikations-Desasters. Im ORF-Radio rückte er mit seinem gesamten Einkommen heraus – 28.500 Euro, zwölf Mal im Jahr. 15.000 Euro sind das für seine WKO-Dienste. Darüber hinaus wird Mahrer für seine Tätigkeit als ÖVP-Wirtschaftsbund-Chef und Präsident der Österreichischen Nationalbank mit 13.500 Euro “belohnt”.

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“Viel Verantwortung”

Er habe viel Verantwortung, verteidigte sich Harald Mahrer für seine Top-Gagen. Als Dreifach-Funktionär, der von Zwangsmitgliedern und Steuergeld bezahlt wird, dürfte seine Verantwortung aber wohl weit unter dem Radar eines mittelständischen Unternehmers liegen.

Nicht Gehälter, sondern Wahrheit halbiert

Mahrer hatte die Diskussion über die Gehälter in der Wirtschaftskammer selbst zu verantworten, als er nach heftiger Kritik an den vergleichsweise üppigen Gehaltsanpassungen in der Wirtschaftskammer zunächst eine Halbierung des Anpassungsfaktors von 4,2 auf 2,1 Prozent verkündete und meinte, dass er „ein Machtwort“ gesprochen habe.

Bald stellte sich jedoch heraus, dass nicht nur die Gehälter, sondern die Wahrheit halbiert wurde. Für die Mitarbeiter gibt es nur im ersten Halbjahr gar keine Erhöhung und im zweiten die vollen 4,2 Prozent.

“Bin persönlich erschüttert”

Für die eigenen Funktionäre ist Harald Mahrer als WKO-Boss kaum noch tragbar. Die Tiroler Wirtschaftskammer-Präsidentin Barbara Thaler sagte gegenüber der Kronen-Zeitung:

Das ist ein einziges Desaster, ein großer Fehler und es hat viel Vertrauen gekostet. Ich bin wirklich persönlich getroffen und erschüttert.

Kein Problem mit Gagen, aber mit Kommunikation

Interessant: Mit den Zahlen selbst (4,2 Prozent) hätte Thaler, wegen ihrer Erhöhung der eigenen Gage selbst in Kritik geraten, kein Problem – „aber wie sie kommuniziert wurden, hätte man so nicht machen sollen“. Ähnlich äußerte sich auch die WKO-Präsidenten in Oberösterreich, Doris Hummer, gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten.

Kickl: “Zwangsmitglieschaft abschaffen”

Eine klare Meinung zu den Vorkommnissen in der Wirtschaftskammer hat FPÖ-Chef Herbert Kickl, der auf seiner Facebook-Seite schrieb:

Es ist höchste Zeit, die Zwangsmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer abzuschaffen. Eine Standesvertretung, die sich stärker um die Gehälter ihrer Spitzenfuntkionäre als um die Unterstützung ihrer Mitlgieder kümmert, muss grundlegend reformiert werden.

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