Das Sandoz-Werk im Tiroler Kundl steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Chinesische Billigkonkurrenz und hohe europäische Produktionskosten gefährden die wirtschaftliche Grundlage der Penicillinherstellung.
Billig eingekauft, teuer abhängig
Der Herstellerkonzern Sandoz warnt vor einer Schließung – und vor einer vollständigen Abhängigkeit von China, sollte Kundl ausfallen.
Der Konzern verlangt deshalb andere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein Vorgehen gegen mutmaßlich unfaire Handelspraktiken.
Europas Standortpolitik verteuert die eigene Produktion
Der Preisdruck trifft auf hohe laufende Kosten. Die Herstellung von Penicillin benötigt viel Energie; zugleich müssen europäische Betriebe mit höheren Arbeitskosten und strengeren Umweltanforderungen wirtschaften.
Staatliche Subventionen für chinesische Produzenten verschärften das Wettbewerbsgefälle.
Unkluge Entscheidungen
FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm sieht darin eine politisch mitverursachte Entwicklung:
Wo der Staat als Einkäufer nur auf den niedrigsten Preis schaut, wandert die Produktion dorthin ab, wo sie am billigsten ist.
Hohe Strom- und Netzkosten, Regulierung und Lohnnebenkosten erschwerten es, industrielle Fertigung im Land zu halten. Wer Versorgungssicherheit wolle, müsse deshalb auch die Kosten der heimischen Produktion ernst nehmen.
Förderungen ersetzen kein tragfähiges Geschäftsmodell
Öffentliche Unterstützung hat das Grundproblem bislang offenbar nicht gelöst. Nach einem Reuters-Bericht flossen in eine rund 200 Millionen Euro teure Erweiterung des Werks auch 50 Millionen Euro öffentliche Mittel. Dennoch warnt Sandoz erneut vor der wirtschaftlichen Gefährdung der Produktion.
Kolm hält eine dauernde Abfolge von Förderungen und handelspolitischer Abschottung für unzureichend. Sie verlangt weniger Regulierung, wettbewerbsfähige Lohnnebenkosten und eine Beschaffung lebenswichtiger Medikamente, die neben dem Preis weitere Kriterien berücksichtigt.
Hilferufe nach Brüssel reichen nicht
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle unterstützt den Appell von Sandoz. „Brüssel muss endlich aufwachen“, fordert der ÖVP-Politiker. Die Europäische Union müsse den Standort absichern, um eine vollständige Abhängigkeit von China bei Penicillin zu verhindern.
Hausaufgaben selber machen
Allerdings liegt die Verantwortung nicht allein bei den europäischen Institutionen. Auch nationale Standortbedingungen und die Einkaufspolitik der Gesundheitssysteme entscheiden darüber, ob die Produktion in Europa eine Zukunft hat.
Kolm wirft der ÖVP deshalb vor, mit ihrem Appell nach Brüssel die notwendigen Reformen der Bundesregierung nicht ersetzen zu können.
Versorgungssicherheit muss beim Einkauf zählen
Sandoz hat unterdessen eine Antidumping-Beschwerde auf den Weg gebracht. Das Unternehmen wirft chinesischen Anbietern vor, Amoxicillin-Wirkstoffe unter Herstellungskosten anzubieten, und fordert faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller.