Drei Mandate. Mehr trennt nach der Reichstagswahl in Schweden das linke Lager um Magdalena Andersson nicht vom bisherigen Regierungslager um Ulf Kristersson. 176 Sitze stehen 173 gegenüber – bei 349 Plätzen im Reichstag.
Erstmals ein Minus für Schwedendemokraten
Die Sozialdemokraten liegen bei 28,1 Prozent, die Moderaten bei 19,9 Prozent, die Schwedendemokraten (SD) bei 17,6 Prozent. Gegenüber 2022 verlieren die SD knapp drei Prozent und fallen von Platz zwei auf Platz drei. Erstmals seit ihrem Einzug ins Parlament 2010 gehen sie bei einer Reichstagswahl zurück.
Knappes Foto-Finish, offenes Ende
Gewählt wurde am 13. September. Nach Auszählung der allermeisten Wahlbezirke bleibt der Vorsprung hauchdünn, das amtliche Endergebnis folgt voraussichtlich am Mittwoch, wenn Auslands- und verspätete Briefstimmen nachgezählt sind. Schon 2022 kippte das Bild noch nach der Wahlnacht.
Andersson stellte den Anspruch trotzdem klar: „Wenn sich das hält, bekommt Schweden eine neue Regierung“. Kristersson hält dagegen fest, die Regierungsfrage sei „weiter offen“, und will prüfen, ob sich eine andere Mehrheit für seine Wirtschaftspolitik finden lässt.
Åkesson wollte Minister – und verliert Boden
Vier Jahre lang stützten die Schwedendemokraten die Minderheitsregierung aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen, ohne selbst Minister zu stellen. Diesmal sollte Schluss sein mit der Zuschauerrolle: Åkesson forderte Kabinettsposten, Kristersson hatte den Einstieg der SD in die Regierung in Aussicht gestellt.
Statt Durchmarsch kam der Dämpfer. Die Moderaten ziehen an den SD vorbei, das rechte Lager liegt nach der Teilauszählung hinter dem Block aus Sozialdemokraten, Linkspartei, Zentrum und Grünen. Åkesson räumte die Verluste ein, drehte sie aber um:
Es ist offensichtlich, dass wir ein paar Prozentpunkte verloren haben. Trotzdem waren wir in diesem Wahlkampf Gewinner, weil so viele Menschen es nicht mehr unangenehm finden zu sagen, dass sie Schwedendemokraten sind.
Anbiederung statt Kante
Wer jahrelang als Stütze der Regierung mitläuft, büßt das Alleinstellungsmerkmal ein. Die SD wollten ins Kabinett, glätteten den Ton und zahlten an der Urne. Während Linkspartei und Grüne zulegten, verloren ausgerechnet jene, die den Migrationskurs der letzten Jahre mitgetragen und zugleich nach Regierungsämtern gegriffen hatten.
