„Das Abkanzeln kirchlicher Stimmen geht in Tirol gar nicht“, zeigte sich der ÖVP-Klubobmann im Landtag, Jakob Wolf, empört über einen Zwischenruf des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Christoph Steiner bei der Feldmesse am Gauder Fest im Zillertal, wo der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler auf die FPÖ losging. Der hochstilisierte Skandal durch die ÖVP erwies sich aber als Bumerang.
Das Archiv als Feind der Politiker
Während das Archiv nämlich Freund jedes kritischen Journalisten ist, gilt das Archiv hingegen als Feind jener Politiker, die ihr Fähnchen nach dem Wind richten. So hat der Tiroler FPÖ-Landtagsabgeordnete Patrick Haslwanter ein Amateur-Video aus dem Jahr 1998 ausgegraben, in dem der damalige ÖVP-Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll, einen Pfarrer wüst beschimpfte, nachdem dieser über soziale Ungerechtigkeiten sprach. Steiner hat das sehenswerte Video auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht:
Pröll wollte sich von Pfarrer nicht “anrotzen” lassen
Damals ließ sich Pröll zu einer verbalen Attacke auf den Pfarrer hinreißen, weil dieser auf die soziale Ungerechtigkeit bei den Politikergehältern hingewiesen hatte:
Es geht uns recht gut. Aber es gibt Familien, die müssen mit 7.000 bis 8.000 Schilling leben. Und manche wie die Landeshauptleute bekommen 200.000 Schilling.
Bei Pröll gingen daraufhin alle Sicherungen durch – und er reagierte mit scharfen Worten:
Herr Pfarrer, ich hoffe zumindest, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem was Sie verdienen und einstreifen und dem was ich verdiene. Sie gehn’ dann wahrscheinlich nach der Feierstunde heim und legen sich nieder. Wenn ich mir das anschaue, was wir zwei zu verantworten haben, dann ist da auch ein Unterschied. Weil, wenn bei mir was schief geht, dann muss ich das vor den Leuten verantworten, wenn bei Ihnen was schief geht, dann reden Sie sich auf den Herrgott aus. Ich möchte Ihnen als 50-Jähriger, Ihnen als 77-Jährigen einen Rat geben auf Ihren weiteren Weg: Ich rate Ihnen als Pfarrer, mischen Sie sich nicht in die Politik ein, damit wir uns einmal richtig verstehen. Und Ihnen meine Damen und Herren sage ich Folgendes: Ich bin ein doppelter Akademiker und wenn ich nicht in die Politik gegangen wäre, würde ich irgendwann sicher das Mehrfache verdienen und hätte den Vorteil, dass ich mich nicht von einem Pfarrer anrotzen lassen müsste.
„Wäre er doch besser Politiker geworden“
Im Vergleich zu den Zwischenrufen des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Steiner beim Gauder Fest sind Prölls Ausführungen starker Tobak. Als der Innsbrucker Bischof Glettler rund 20 Minuten gegen die Freiheitlichen agitierte („Vorsicht vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen“), sagte Steiner zu einem neben ihm sitzenden Parteikollegen: „Wäre er doch besser Politiker geworden“. Daraufhin, führte Steiner gegenüber der APA aus, habe jemand aus einer anderen Sitzreihe gerufen: „Aber kein G’scheiter“. Woraufhin er, Steiner, wiederum von sich gegeben habe: „Dann halt bei den Grünen“. Geschrien oder lautstark gerufen, habe er dabei nicht.Â
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