Nun ist er im Kino angelaufen, der Werbefilm „Wahlkampf“ über SPÖ-Chef Andreas Babler. Doch leider nur mit 895 Kinobesuchern.
Teure Kinokarten
„Wenn man sich vor Augen führt, dass hier über eine halbe Million Euro an öffentlichen Mitteln geflossen sind, während nicht einmal 900 Menschen bereit waren, eine Kinokarte zu lösen, dann offenbart sich ein kulturpolitischer Offenbarungseid“, erklärte FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer dazu.
Rechnerisch ergebe sich daraus ein Förderaufwand von mehr als 600 Euro pro verkaufter Eintrittskarte. Das sei „gegenüber den österreichischen Steuerzahlern nicht mehr zu rechtfertigen“.
Film über Bablers Aufstieg
„Wahlkampf“ zeigt Filmmaterial aus rund zwei Jahren politischer Begleitung des SPÖ-Chefs. Ursprünglich begann das Projekt im April 2023 als Porträt des Traiskirchner Bürgermeisters Andreas Babler. Zu diesem Zeitpunkt war Babler noch nicht SPÖ-Bundesparteivorsitzender.
Aus dem Bürgermeisterporträt wurde schließlich eine Langzeitbeobachtung des späteren Parteichefs, Spitzenkandidaten und schließlich Vizekanzlers.
Wahlziel verfehlt, Regierungsamt erreicht
Politisch begleitet „Wahlkampf“ eine Phase, in der die SPÖ versuchte, aus dem Tal der Tränen herauszukommen. Bei der Nationalratswahl 2024 erreichte die Partei 21,14 Prozent der gültigen Stimmen – nahezu gleich viel wie bei der Wahl 2019. Kein Wachstum. Babler räumte nach der Wahl sinngemäß ein, dass die SPÖ ihr Ziel, stärker in die gesellschaftliche Breite zu kommen, nicht erreicht habe.
Steuergeld für Lobpreisungen
Trotz des enttäuschenden Ergebnisses führte der weitere politische Verlauf Babler in die Bundesregierung: Er wurde Vizekanzler und übernahm auch das Kulturressort, zu dem die Filmagenden zählen.
Jetzt wird es heiß. Denn der Film ist aus öffentlichen Geldern aus dem Kulturtopf gefördert.
Summen, die verstören
Nach den vorliegenden Angaben wurden die Förderungen in der Zeit der schwarz-grünen Bundesregierung unter dem damaligen Kulturminister Werner Kogler bewilligt. Beteiligt waren unter anderem das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich.
In der öffentlichen Debatte war von mehr als einer halben Million Euro die Rede. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass nur rund 240.000 Euro aus klassischen Förderentscheidungen von Gremien stammten; weitere Mittel sollen automatische Förderungen wie Referenzmittel aus früheren Erfolgsproduktionen oder ein Green-Filming-Bonus gewesen sein.
FPÖ sieht politisches Naheverhältnis
Für die FPÖ hat das eine politische Schlagseite. Der tatsächliche „Marktwert“ solcher Produktionen zeige sich letztlich an den verkauften Eintrittskarten – und dieser falle hier „vernichtend“ aus.
Besonders scharf formulierte Mölzer seine Kritik mit Blick auf die Steuerzahler:
Während Familien in Österreich jeden Euro zweimal umdrehen müssen, werden hier Kinotickets künstlich mit Steuergeld auf einen absurden Preis aufgeblasen.
De facto habe der Steuerzahler für jede einzelne Kinokarte ein Vielfaches dessen bezahlt, was regulär an der Kinokasse verlangt werde.
Offenlegung der Förderentscheidungen
Mölzer fordert deshalb eine umfassende Offenlegung der Förderentscheidungen rund um die Produktion. Außerdem brauche es eine Evaluierung, wie es zu einem derartigen Verhältnis zwischen eingesetzten Mitteln und tatsächlicher Nachfrage kommen konnte.
Die Filmförderung müsse stärker nach „Transparenz, Effizienz und tatsächlichem Publikumsinteresse“ ausgerichtet werden.
Regisseur weist Propaganda-Vorwurf zurück
Schon rund um die Premiere bei der Diagonale in Graz war der Film kritisiert worden.
Regisseur Harald Friedl widerspricht dem Eindruck, er habe einen Propagandafilm gedreht. Der Film sei beobachtend angelegt, verzichte auf kommentierende Einordnung und lasse auch unangenehme oder angespannte Situationen zu.
SPÖ wäscht Hände in Unschuld
Babler habe nach Angaben der Beteiligten kein Mitspracherecht bei der Gestaltung gehabt und auch keinen Einfluss auf Förderentscheidungen genommen. Auf der SPÖ-Internetseite wurde das ebenfalls festgehalten.
Um Schadensbegrenzung bemüht
Bei der Grazer Premiere erklärte die damalige SPÖ-Kommunikationschefin Patricia Huber öffentlich, sie hätte manche Szenen gerne aus dem Film entfernt gesehen. Friedl verweist zudem darauf, dass Babler und sein Team im Film keineswegs durchgehend vorteilhaft erscheinen.
Als Beispiel gilt die Phase rund um die Brucknerhaus-Affäre des Linzer Bürgermeisters Klaus Luger, in der die Belastung in der SPÖ-Spitze sichtbar werde.
Kinostart und Schützenhilfe aus der Kulturschickeria
„Wahlkampf“ kam am 24. April österreichweit in die Kinos. Außerdem wurde der Film für das Münchner DOK.fest programmiert, wo er am 8. Mai lief. Für die Befürworter spricht das für eine ernstzunehmende dokumentarische Arbeit – oder für eine Schützenhilfe einer nicht minder linken Kulturschickeria, die sich gegenseitig stützt.
Für die FPÖ bleibt angesichts der geringen Besucherzahl vor allem die Förderfrage im Vordergrund. Mölzers Fazit fällt entsprechend hart aus:
Ein Film, den kaum jemand sehen will, aber alle bezahlen müssen, ist das Gegenteil von verantwortungsvoller Kulturpolitik.
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