Die Europäische Union verzeichnet einen neuen Höchststand bei den Einbürgerungen. Im Jahr 2024 erhielten laut Eurostat 1.177.232 Migranten die Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedstaates – rund 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr und 54,5 Prozent mehr als 2014. Damit wurde erstmals seit Beginn der 2010er-Jahre wieder die Marke von 1,1 Millionen deutlich überschritten.
Syrer größte Gruppe neuer EU-Bürger
Die mit Abstand größte Gruppe unter den Neubürgern stammte aus Syrien: 110.100 Syrer erhielten im Jahr 2024 die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes. Dahinter folgen Marokkaner (97.100), Albaner (48.000), Türken (41.300) und Rumänen (39.900). Syrer machten damit fast zehn Prozent aller Einbürgerungen aus – es zeigt sich, dass die Asylanten der ersten Flüchtlingswelle von 2015 von den jetzt möglichen Einbürgerungen gerne Gebrauch machen.
Deutschland, Spanien und Italien dominieren
Deutschland bleibt Einbürgerungsspitzreiter: 288.700 Fremde erhielten dort im Jahr 2024 den deutschen Pass – ein Plus von über 30 Prozent gegenüber 2023, getrieben von erleichterten Bedingungen für langjährig Aufenthaltsberechtigte. Spanien (252.500) und Italien (217.400) folgen auf den nächsten Plätzen. Diese drei Staaten zusammen vergaben rund zwei Drittel aller EU-Einbürgerungen. Frankreich (103.700) und Schweden (63.000) folgten mit Abstand.
Mehrheit aus Drittstaaten
88 Prozent der neuen Pass-Inhaber kamen aus Nicht-EU-Ländern, während nur etwa 10,6 Prozent aus anderen EU-Staaten stammten – etwa Rumänen, Polen oder Portugiesen, die sich in anderen Mitgliedsländern niederließen. Damit bleibt die Einbürgerung in der EU vor allem ein Weg der Integration von Migranten aus Drittstaaten.
Schweden führt bei Einbürgerungsquote
Betrachtet man die Einbürgerungsquote – also den Anteil der Einbürgerungen an der ausländischen Bevölkerung –, liegt das liberale Schweden mit 7,5 pro 100 Ausländer klar an der Spitze. Dahinter folgen Italien (4,1) sowie Spanien und die Niederlande (je 3,9).
Deutliche regionale Unterschiede
In Mittel- und Osteuropa bleibt die Zahl der Einbürgerungen gering. Länder wie Ungarn, Tschechien oder Slowenien verzeichnen im Vergleich nur wenige Tausend Fälle. Hier wirken strengere Kriterien, kürzere Aufenthaltszeiten und geringere Zuwanderungsraten.
Seit 2014 ist die Zahl der Einbürgerungen in der EU um mehr als die Hälfte gestiegen. Der Anstieg spiegelt einerseits die hohe Einwanderung seit Beginn der Völkerwanderung 2015 wider, andererseits Veränderungen im Staatsbürgerschaftsrecht in mehreren Ländern – etwa verkürzte Aufenthaltsfristen, doppelte Staatsbürgerschaft oder erleichterte Verfahren für Nachkommen von Migranten.


