In BRD-Großstädten gibt es ganz besondere Reime. Früher hieß es “Hartz4 und der Tag gehört dir”. Dann erfand ein Autor in einem Roman, der in Frankfurt am Main spielt, den Reim “Bürgergeld und der Tag dir gefällt”, welcher der Hauptfigur Alice nahegelegt wurde. Auf die Grundsicherung haben die Leute jedoch leider noch keinen Reim gefunden.
Doc Holliday reitet durch Deutschland
Was sie aber gefunden haben, ist eine Möglichkeit, Geld zu kassieren ohne zu arbeiten und ohne in die Grundsicherung abzurutschen. Die Lösung heißt “Doc Holliday” und gemeint ist hier nicht der Westernheld. Man meldet sich einfach “krank”, ohne wirklich krank zu sein. Und das bei einem Arzt, der einem ohne viele Fragen einfach eine Krankschreibung gibt. Selbstverständlich will unzensuriert der SPD-Politikerin Uta Francisco Dos Santos nicht unterstellen, Teil dieser Klientel zu sein.
Aber es mutet doch ein wenig seltsam an, wenn jemand für die SPD Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte werden möchte und wenn sich diese Person seit 2024 dauernd krankschreiben lässt. Der Vorteil beim Krankschreiben ist, dass man, obwohl man nicht arbeiten geht, weiter sein Gehalt bekommt. Laut der B.Z. erhält die SPD-Bürgermeisterkandidatin in ihrem jetzigen Job jeden Monat ein Gehalt nach E 15. Das wären bis zu 7.641 Euro. Und dafür muss die Politikerin der ehemaligen Arbeiterpartei nicht einmal arbeiten gehen.
Dos Santos glänzt durch Abwesenheit
Stattdessen sitzt sie auf ihrem Posten in der Führungsposition in der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen. In einem Organigramm der Leitungsebene, das die von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) geführte Behörde ins Internet gestellt hat, ist Uta Francisco Dos Santos gleich auf der zweiten Stufe angesiedelt; und zwar als verantwortlich für “Gremienangelegenheiten”. Ihr Stuhl bleibt jedoch leer und so ist zu vermuten, dass wohl jemand anders die wöchentliche Sitzung der Landesregierung vorbereitet, während sie durch Abwesenheit glänzt.
Das hält sie jedoch nicht davon ab, Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte werden zu wollen. Für die ehemalige Arbeiterpartei SPD scheint das kein Problem zu sein. Eine Dauerkrankgemeldete soll für die Roten einen ganzen Bezirk regieren und das dortige Bezirksamt führen. Gegenüber der B.Z. rechtfertigte sich Dos Santos folgendermaßen: “Ich bin in einer juristischen Auseinandersetzung mit meinem Arbeitgeber.” Und ergänzt dann etwas verwirrend: “Das betrifft zwar nicht den Arbeitgeber direkt – das wird von einigen Personen, die da jetzt in Verantwortung sind, betrieben. Ich bin da in letzter Zeit vielen Dingen ausgesetzt gewesen.” Fragen, ob sie ein grundsätzliches Problem damit habe, dass die Finanzverwaltung nicht mehr, wie bis 2023, von einem Grünen- oder SPD-Senator geführt werde, wollte die zum linken SPD-Flügel gehörende Politikerin zunächst nicht beantworten.


