Rund um den Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann schwappte eine Personalie hoch, die es zu hinterfragen lohnt – nämlich jene des Ex-Grünen-Bundesgeschäftsführers Pius Strobl. Er schaffte es, trotz „Abhör-Affäre“ die ORF-Karriereleiter zu erklimmen. Mit einer kolportieren Gage von 450.000 Euro und einem umstrittenen Luxus-Pensionsvertrag in der Höhe von 2,4 Millionen Euro.
Spitzel-Affäre
Den Pensionsvertrag, den die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher dem Vernehmen nach nicht unterschreiben möchte, sei nur die Spitze des Eisbergs in einem von Skandalen gepflasterten Weg in die Chefetage am Küniglberg, behauptet FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker. Dieser erinnerte in einer Aussendung an die sogenannte „ORF-Abhör-Affäre“, als Strobl 2010 eine ORF-Mitarbeiterin dazu angestiftet habe, Mitschnitte von Gesprächen zwischen Stiftungsräten, ORF-Managern und Journalisten im Umfeld einer Stiftungsratssitzung anzufertigen.
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Weitere InformationenRot-grünes Netzwerk im ORF
Nach Bekanntwerden dieses Skandals musste Strobl als Kommunikationschef des ORF gehen, doch 2006 kehrte er in diese Funktion zurück. Geholt hatte ihn der SPÖ-nahe ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, dessen Wahl er als grüner Stiftungsrat mitorganisierte und als dessen Vertrauter er galt. Strobl und Wrabetz vervollständigten letztlich ein Bild eines rot-grünen Netzwerks im ORF.
Gute Geschäfte mit dem ORF
Der burgenländische Gendarm Pius Strobl war in seiner Jugend in der SPÖ politisch aktiv und wechselte 1985, wie viele andere Genossen, denen die SPÖ zu wenig links war, das Lager. Er saß bereits von 1989 bis 1998 im ORF-Kuratorium – und machte mit dem Staatssender gute Geschäfte. So bekam seine Firma Orbit Gmbh 1998 vom ORF den Zuschlag für die Exklusivrechte zur Vermarktung der Fußballspiele der WM in Frankreich auf Großbildschirmen.
ORF erteilte Lizenz seinem eigenen Kurator
Damals kritisierte die FPÖ:
Besonders pikant ist auch die Tatsache, dass der ORF die Lizenz gerade an die Firma Orbit vergeben hat, deren Geschäftsführer der frühere Bundesgeschäftsführer der Grünen und derzeitige ORF-Kurator Pius Strobl ist. Der ORF hat die Lizenz somit seinem eigenen Kurator erteilt.
Nicht nur das: Die Vergabe sorgte vor allem in der heimischen Gastronomie für Aufregung, musste diese doch 15.000 Euro an den alleinigen Lizenznehmer des ORF, Orbit, zahlen, um WM-Spiele auf Leinwänden übertragen zu können.Â
Verbannung für Öffentlichkeit nur inszeniert
Unverständlich sei für Hafenecker, warum man im ORF an einem „derartigen Skandalmitarbeiter“ nicht nur festgehalten, sondern ihn auch noch die Karriereleiter hochgeschickt habe. Die Verbannung von Strobl nach der „Abhör-Affäre“ wäre für die Öffentlichkeit nur inszeniert gewesen. Der ORF selbst schrieb damals auf seiner Webseite, dass er weiterhin als selbständiger Berater für Organisations- und Projektmanagement für den Staatsfunk tätig sei. Ab 2015 ist er wieder ganz offiziell als Eventmanager für den Eurovision Song Contest zuständig. Seit 2018 ist Strobl als Gesamtprojektleiter des Medienstandorts ORF angestellt.
