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Goldenes Klavier im Parlament

Der vergoldete Flügel aus dem Hause Bösendorfer kostet maximal 200.000 Euro und ist damit im Vergleich mit den eher schmucklosen Kunstwerken, die Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) für das Parlament mit Steuergeld schon hat anschaffen lassen, relativ günstig.

12. April 2023 / 11:14 Uhr

Sobotka als Kunstmäzen und Klavierkäufer – mit unserem Geld

Der kunstsinnige Wolfgang Sobotka hat sich verliebt, und zwar in den goldenen Flügel, der seit der Wiedereröffnung das renovierte Parlamentsgebäude ziert. Jetzt will der ÖVP-Nationalratspräsident das Klavier aus dem traditionellen Hause Bösendorfer möglicherweise sogar kaufen, wie er in einer aktuellen parlamentarischen Anfragebeantwortung verrät.

Freund(erlwirt)schaft zwischen Sobotka und Kunstkurator

Die Empörung im medialen Boulevard ist mit Händen zu greifen, kostet das Klavier doch, je nach Medium, 140.000 oder gar 200.000 Euro. Dabei ist das Klavier geradezu ein Schnäppchen, wenn man es mit den Kunstwerken vergleicht, die Sobotka schon anschaffen hat lassen. Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold-Museums, als Kunstkurator und seine von ihm als Projektmanagerin praktischerweise gleich mitgebrachte Lebensgefährtin Susanne Längle haben die Kunstwerke ausgesucht. Nationalratspräsident Sobotka hat Wipplinger persönlich – und natürlich ohne öffentliche Ausschreibung – als Kurator eingesetzt und dem schöngeistigen Paar dafür etwas mehr als 85.000 Euro netto hingeblättert. Das musste Sobotka in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung an den freiheitlichen Kultursprecher Thomas Spalt auf dessen Anfrage mit dem Titel „Die Kunst der Freund(erlwirt)schaft“ zugeben, nachdem Der Standard die persönliche Freundschaft zwischen Sobotka und Wipplinger bekanntgemacht hatte.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (links) mit seinem Freund und persönlich ausgewählten Kunstkurator für das Parlament, Hans-Peter Wipplinger .
Foto: Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Kunstwerke zu horrenden Preisen angeschafft

Aber auch die 85.000 Euro sind zu verschmerzen, wenn man sie damit vergleicht, was manche Künstler an Honoraren eingestrichen haben – vor allem aber wofür. Unzensuriert.at hat die Preise zu den Kunstwerken:

80.000 Euro erhielt Erwin Bohatsch für vier mittel- bzw. großflächige Bilder im Reflekorium / Raum der Stille.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
150.000 Euro kassiert Peter Kogler für einen textilen Wandbehang im Hauptstiegenhaus, der demnächst installiert werden, aus 15 Bahnen bestehen und 16 x 20 Meter messen soll.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
110.000 Euro gibt es für Brigitte Kowanz für diese Lichtinstallation mit dem Titel „Die Ausrufung der Republik“. Sie ziert den Else-Richter-Saal.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
80.000 Euro ist dieses Wandfries aus Metall von Konstantin Luser namens „Demokratietrompete“ dem Parlament – und damit dem Steuerzahler – wert.
Foto: Parlamentsdirektion/Bubu Dujmic
227.400 Euro für ein Wandfries aus Holz machen Peter Sandbichler zum Gagenkaiser unter den Parlaments-Künstlern. Weitere 91.400 Euro gibt es für Sandbichler obendrauf für ein Podium mit sechs Sitzobjekten aus Holz.
Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
164.955 Euro erhält Eva Schlegel für insgesamt drei Spiegel-Hängeskulpturen, zwei davon im Vestibül und eine im Restaurant Kelsen.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
11.360 Euro Honorar erhält Eva Sonderegger für einige Fotografien im Café Agora, laut Sobotkas Anfragebeantwortung sind es vier, laut Webseite des Parlaments acht Fotos.
Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
74.600 Euro kostet eine Installation mit Seilen für das neue Stiegenhaus bei der Künstlerin Martina Steckholzer. „Die Demokratie liegt in unseren Händen wie ein Fadenspiel“, lautet die Botschaft, die dem Besucher des Hohen Hauses damit vermittelt werden soll.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
74.150 Euro erhält Esther Stocker für eine Wandmalerei, ebenfalls im Stiegenhaus.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
108.000 Euro gehen an Heimo Zobernig für die künstlerische Verschränkung der beiden Worte „Demokratie“ und „Parlament“ im Lokal 1 unter dem Nationalratssaal.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

71.000 Euro extra kassiert Heimo Zobernig für diese vier eher einfach gestalteten, dafür besonders großen Bilder.
Foto: Parlamentsdirektion/Thomas
Topf

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