190 Millionen Dollar braucht die Ukraine von Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) täglich, um Krieg zu führen – und Deutschlands Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist bereit, noch mehr deutsche Steuergelder nach Kiew zu überweisen.

14. September 2026 / 16:10 Uhr

190 Millionen Dollar täglich: Ukraine braucht noch mehr Geld – und Deutschland zahlt

Die Rechnung für den Ukraine-Krieg wächst weiter. Kiew fehlen nach eigenen Angaben bis Jahresende rund 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung. Deutschland signalisiert nun Bereitschaft, einen Teil dieser Lücke mitzutragen.

190 Millionen Dollar – jeden Tag

Die Dimensionen sind gewaltig. Nach Angaben der ukrainischen Parlamentsabgeordneten Roksana Pidlasa kostet die Kriegsführung mittlerweile rund 190 Millionen Dollar pro Tag. Im Jahr 2024 seien es noch etwa 140 Millionen Dollar täglich gewesen. In den ersten acht Monaten 2026 beliefen sich die Verteidigungsausgaben demnach auf knapp 42 Milliarden Dollar – während die inländischen Staatseinnahmen im selben Zeitraum nur rund 39 Milliarden Dollar erreichten. Auch Reuters berichtete zuletzt über diese wachsende finanzielle Belastung.

Damit wächst der Druck auf die westlichen Unterstützer. Denn die militärische Finanzierung lässt sich nicht einfach aus dem laufenden ukrainischen Staatshaushalt bestreiten. Gleichzeitig läuft die bereits zugesagte europäische Unterstützung weiter. Die EU hat für 2026 und 2027 ein Unterstützungspaket von bis zu 90 Milliarden Euro vorgesehen, davon 60 Milliarden für Verteidigung und 30 Milliarden für Budgethilfe.

Berlin signalisiert Bereitschaft

Deutschland will die neue Belastung offenbar nicht allein Kiew überlassen. Gunther Sautter, Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), erklärte bei der Jahreskonferenz der Yalta European Strategy in Kiew, Deutschland sei bereit, die gestiegenen Verteidigungsausgaben der Ukraine mitzutragen. Zugleich appellierte er an weitere Unterstützer, sich an der Finanzierung zu beteiligen.

Die Botschaft aus Berlin ist damit unmissverständlich: Die zusätzliche Rechnung soll auf mehrere Schultern verteilt werden. Deutschland steht dabei ohnehin besonders stark an der Seite des korruptionsgeplagten Staates. Erst vergangene Woche kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) weitere Patriot-Abfangraketen sowie zusätzliche Luft-Luft-Raketen, Drohnen und weitreichende Munition für die Ukraine an.

27 Milliarden Dollar fehlen

Mit welchem Geld genau die gesamte Finanzierungslücke von rund 27 Milliarden Dollar geschlossen werden soll, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte europäischen Partnern zufolge bereits im August auf den zusätzlichen Bedarf hingewiesen. Wegen der gestiegenen militärischen Belastung seien ursprünglich für spätere Monate eingeplante Mittel früher ausgegeben worden.

Im Raum stehen mehrere Möglichkeiten. Kiew drängt unter anderem auf zusätzliche internationale Beiträge und eine mögliche Vorziehung von Mitteln, die ursprünglich erst später zur Verfügung stehen sollten. Gleichzeitig versucht die EU, ihre bereits zugesagten Gelder möglichst schnell verfügbar zu machen. Für 2026 sind innerhalb des 90-Milliarden-Euro-Pakets bis zu 45 Milliarden Euro vorgesehen, davon 28,3 Milliarden Euro für die Verteidigungsindustrie und 16,7 Milliarden Euro als Budgethilfe.

Europa soll tiefer in die Tasche greifen

Die EU hat ihre Unterstützung zuletzt sogar weiter ausgeweitet. Ende August genehmigte die Kommission zusätzliche 6,1 Milliarden Euro für Luft- und Raketenabwehr, Munition und Radarsysteme. Das Geld stammt aus dem 90-Milliarden-Euro-Unterstützungskredit.

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