Sepp Schellhorn, Neos-Staatssekretär für Deregulierung und jener Mann, der auf der größten und teuersten Regierungsbank aller Zeiten am Rande gerade noch einen Stuhl erhaschen konnte, macht im medialen Sommerloch auf sich aufmerksam: Wie seine Chefin, Beate Meinl-Reisinger, möchte er die Österreicher länger als bisher arbeiten lassen.
In den “Servus Nachrichten” sagte Schellhorn:
Ich glaube es ist zumutbar, wenn wir 20 Jahre länger leben, dass wir auch länger arbeiten.
Mit 60 Jahren bei 35 Grad am Bau arbeiten
„Vielleicht sollte man die, das fordern, ab 60 Jahre zum Arbeiten am Bau bei 35 Grad oder in der Pflege mit massiver Hebearbeit oder Arbeiten in der Gastro mit zwölf Stundendiensten verpflichten“, schrieb S. Schneider daraufhin in einem Kommentar und sprach damit vielen Österreichern wohl aus dem Herzen. Mani L. richtete Schellhorn aus: „Du könntest bis 100 arbeiten … bei den Fortschritten, den DU machst“. Und das waren noch die freundlichsten Reaktionen auf die Ansage des pinken Staatssekretärs, der bisher mehr durch Skandale als durch erfolgreiche Arbeit aufgefallen ist.
Regierung macht Entscheidung vom Budgetloch abhängig
Ein höheres Pensionsantrittsalter ist ja Konsens in der Verlierer-Ampel, die mit dem sogenannten „Nachhaltigkeitsmechanismus“ Folgendes beschlossen hat: Wenn das Budgetloch weiter nicht gestopft werden kann, müssen die Österreicher länger arbeiten. „Es wird kein Weg daran vorbeigehen, irgendwann einmal darüber zu reden, auch das Gesetzliche anzupassen“, sagte Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger im Oe24 Sommergespräch 2025.
ÖVP-Seniorenbund-Chefin auf Regierungslinie
Zuletzt eröffnete auch Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec (ÖVP) eine neuerliche Debatte darüber. Gegenüber der APA erklärte sie: „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern“. Das Antrittsalter dürfe aber nicht vom biologischen Alter abhängen, sondern von den Berufsjahren – ob das 40, 42 oder 45 Jahre sind, darüber müsse man sich einigen.
Martebauer will mit 64 Jahren in Pension gehen
Wer nun glaubt, dass eine solche Überlegung auch für Regierungsmitglieder gelten soll, hat sich getäuscht. SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer sagte – wie berichtet – im Podcast „Rohrer bei Budgen“: Nach dieser Legislaturperiode (2029) wolle er in Pension gehen. Der Schönheitsfehler: Marterbauer, geboren am 26. Februar 1965, hätte zu diesem Zeitpunkt das Regelpensionsalter von 65 Jahren nicht erreicht.
Zutiefst verunsichernd für die Bevölkerung
FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch wertete die neuerliche Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter als „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“. Zudem sei es realitästfern zu glauben, dass jeder problemlos 45 Jahre im selben Ausmaß arbeitsfähig sei.
