Die ÖVP ist anscheinend für Negativ-Nachrichten im Sommer zuständig. Nach der schwelenden Affäre um ihren Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck zettelt Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec (ÖVP) eine neuerliche Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter an.Â
Man fragt sich: Ist das Ganze ein Ablenkungsmanöver, um den schwer angeschlagenen Kanzler Christian Stocker nach der Aufregung rund um den ÖVP-Ausschluss des WKO-Funktionärs etwas Luft zu verschaffen?
Längeres Arbeiten von Berufsjahren abhängig machen
Laut Korosec hat ihre Forderung aber Substanz. Gegenüber der APA erklärte sie, dass in der ÖVP über diesen von ihr stammenden Vorschlag tatsächlich diskutiert werde. „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern“, sagte die Vorsitzende des Seniorenbundes. Das Antrittsalter dürfe aber nicht vom biologischen Alter abhängen, sondern von den Berufsjahren – ob das 40, 42 oder 45 Jahre sind, darüber müsse man sich einigen.
“Zutiefst verunsichernd für arbeitende Bevölkerung”
Ob man das Pensionsantrittsalter nun an das Geburtsdatum oder an die Beitragsjahre koppeln würde, ändere nichts an der Kernaussage: „Die Menschen sollen länger arbeiten“, kritisierte FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch den Vorstoß von Korosec. Sie wertete die neuerliche Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter als „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“. Zudem sei es realitästfern zu glauben, dass jeder problemlos 45 Jahre im selben Ausmaß arbeitsfähig sei.
Dass Frau Korosec selbst die von der Regierung beschlossene Erhöhung der Abgaben für ältere Arbeitnehmer kritisiere, entlarve die Widersprüchlichkeit der ÖVP-Politik. „Einerseits will man die Menschen länger im Job halten, andererseits schafft man für genau diese Gruppe neue finanzielle Belastungen. Das passt nicht zusammen und zeigt das planlose Vorgehen der Regierung“, erklärte Belakowitsch in einer Aussendung.
