Abelardo de la Espriella gewann die Stichwahl in Kolumbien knapp und soll am 7. August das Präsidentenamt von Gustavo Petro übernehmen.

22. Juni 2026 / 14:38 Uhr

Rechter Kandidat gewinnt Präsidentenwahl: Kurswechsel angekündigt

Kolumbien steht vor einem Machtwechsel: Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl um das Präsidentenamt nach offiziellen Ergebnissen knapp für sich entschieden.

250.000 Stimmen entschieden

Rund 41 Millionen Bürger waren zur Wahl aufgerufen. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam der 47-jährige Anwalt auf 49,7 Prozent. Sein Gegenkandidat, der linke Senator Iván Cepeda, erreichte 48,7 Prozent. Zwischen beiden lagen nach den vorliegenden Angaben rund 250.000 Stimmen.


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De la Espriella soll am 7. August die Nachfolge von Gustavo Petro antreten. Petro, der erste linksgerichtete Präsident Kolumbiens, durfte nach der Verfassung nicht erneut kandidieren.

Linke hadern

Cepeda verwies nach dem engen Ergebnis auf die noch ausstehende amtliche Prüfung der Wahlprotokolle. Sein Lager kündigte an, Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen anzufechten.

De la Espriella trat dagegen bereits am Wahlabend vor Anhängern in Barranquilla auf und sprach von einer neuen politischen Phase für das Land. Zugleich erklärte er, Präsident aller Kolumbianer sein zu wollen.

Sicherheitspolitik im Zentrum

Der Wahlsieger, der sich selbst „El Tigre“ nennt, hatte im Wahlkampf eine deutlich verschärfte Sicherheitspolitik angekündigt. Bewaffnete Gruppen, die in den Drogenhandel verwickelt sind, will er mit militärischen Mitteln bekämpfen. Nach eigenen Angaben plant er eine 90-tägige Offensive gegen entsprechende Organisationen und Kokaplantagen. Dafür will er Unterstützung aus den USA und Israel suchen. Zudem kündigte er den Bau großer Gefängnisse nach dem Vorbild El Salvadors an.

Wahlkampf im Zeichen der Kriminalität

Die Wahl fand in einer angespannten Sicherheitslage statt. Kolumbien erlebt derzeit die schwerste Gewaltwelle seit etwa zehn Jahren.

Trotz des Friedensabkommens mit der früheren Farc-Guerilla sind weiterhin zahlreiche bewaffnete Gruppen aktiv, darunter Abspaltungen der ehemaligen Farc, paramilitärische Gruppen und Drogenbanden. Der Wahlkampf wurde von Anschlägen mit Autobomben und Drohnen überschattet. Bereits im Juni 2025 war der Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe ermordet worden.

Bürokratieabbau und Verkleinerung des Staatsapparats

Auch wirtschaftspolitisch steht Kolumbien vor Veränderungen. De la Espriella setzt auf Bürokratieabbau und will den Staatsapparat verkleinern.

Seine Bewegung Defensores de la Patria hatte im Wahlkampf vor allem mit dem Versprechen einer strikteren Ordnungspolitik um Zustimmung geworben.

Freude in Washington

Nach Bekanntwerden des Ergebnisses gratulierten US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio. Trump hatte De la Espriella bereits im Wahlkampf öffentlich unterstützt. Rubio erklärte, Washington wolle mit der künftigen Regierung in Bogotá unter anderem bei regionaler Sicherheit, Migration und wirtschaftlichen Beziehungen zusammenarbeiten.

Die Beziehungen zwischen Kolumbien und den USA hatten sich unter Petro verschlechtert. Kolumbien galt lange als enger Partner Washingtons in Südamerika. Zu den Streitpunkten zählten unter anderem US-Militärangriffe auf mutmaßliche Drogenboote in der Karibik und im östlichen Pazifik, bei denen auch kolumbianische Staatsbürger getötet wurden.

Linke Proteste nach Wahl

In mehreren Städten kam es nach der Wahl zu Protesten. In Cali lieferten sich Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Tränengas einsetzte. Auch in Bogotá gingen Menschen auf die Straße.

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