In Lima hat die konservative Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori die hauchdünne Führung in Perus Präsidentschaftswahl zurückerobert. Nachdem ihr linker Rivale Roberto Sánchez zwischenzeitlich vorne gelegen hatte, brachten die verbliebenen Auslandsstimmen Fujimori am gestrigen Mittwochabend wieder an die Spitze. Laut Angaben der Wahlbehörde ONPE kommt sie bei 98,21 Prozent der ausgezählten Wahllokale auf 50,002 Prozent der Stimmen gegenüber 49,998 Prozent für Sánchez – ein Vorsprung von rund 650 Stimmen bei etwa 18 Millionen ausgezählten Stimmen.
Knappes Rennen
Das Rennen bleibt extrem eng. Nur ein winziger Rest an Stimmen steht noch aus, doch rund 1,76 Prozent der Wahllokale mit etwa 400.000 Stimmen sind als strittig markiert und müssen gerichtlich geprüft werden. Ein Prozess, der sich über Wochen hinziehen kann. Die meisten dieser umstrittenen Stimmen stammen aus der Metropolregion Lima, einer Hochburg Fujimoris.
Wechselnde Führungen und ländliche Stimmen
Fujimori hatte in den Exit Polls und den ersten Auszählungen geführt. Sánchez zog dann dank starker Unterstützung aus ländlichen Regionen vorübergehend vorbei. Der Linke, der unter dem inhaftierten Ex-Präsidenten Pedro Castillo Minister war und dessen Erbe antritt, rief am Mittwoch zu einem Treffen mit internationalen Beobachtern auf. Er sprach von „seltsamen, ungewöhnlichen und fragwürdigen Entwicklungen“. Einige seiner Anhänger versammelten sich vor den Büros des Nationalen Wahlgerichts (JNE) in Lima, wurden jedoch mit Wasserwerfern vertrieben. Beide Kandidaten hatten zuvor zur Ruhe und Geduld aufgerufen. Fujimori selbst gab sich während des Auszählungsprozesses optimistisch und äußerte sich nur zurückhaltend.
Vierter Anlauf für Fujimori
Es ist bereits Fujimoris vierte Stichwahl in Folge. In 2021 hatte sie gegen Pedro Castillo mit einem Abstand von rund 45.000 Stimmen verloren. Die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori tritt nun mit dem Versprechen harter Maßnahmen gegen Kriminalität an. Sánchez setzt auf Unterstützung aus den ländlichen und andinen Gebieten und trägt den für Castillo typischen Cowboyhut.
Die Auszählung zieht sich hin, wie schon bei früheren Wahlen in Peru. Eine endgültige Entscheidung könnte erst im Laufe der kommenden Wochen fallen, auch weil die angefochtenen Stimmen noch geprüft werden müssen. Märkte und Beobachter verfolgen das enge Rennen genau, das einmal mehr die tiefen Gräben im Land zwischen urbanen und ländlichen, konservativen und linken Lagern widerspiegelt.


