Eine deutliche Mehrheit der australischen Wähler hat genug von den hohen Einwanderungszahlen. Laut einer Umfrage des Daily Telegraph halten 67 Prozent den aktuellen Migrationslevel für zu hoch. Davon sagen 47 Prozent sogar „viel zu hoch“. Nur vier Prozent finden die Zahlen zu niedrig, 26 Prozent halten sie für etwa richtig.
Deutliche Migrationskritik
Die Zahlen spiegeln wachsende Frustration wider. Nach Rekordjahren mit Netto-Überseemigration von über 500.000 in manchen Spitzenphasen drücken Wohnungsknappheit, Infrastrukturbelastung und steigende Lebenshaltungskosten auf die Stimmung. Die Regierung unter Anthony Albanese hat zwar Korrekturen vorgenommen – die Netto-Überseemigration sank auf 306.000 im Finanzjahr 2024/25 von höheren Vorjahreswerten –, doch für viele kommt das zu spät und ist zu wenig.
Politischer Kontrast zu Europa
Anders als viele EU-Staaten, die trotz anhaltender hoher Zuwanderung und interner Verteilungskonflikte oft an offenen Linien festhalten, zeigt Australien seit Jahren ein anderes Modell: strenge Grenzkontrollen, Punktesystem für qualifizierte Zuwanderer und zeitweilige Härte bei irregulärer Einwanderung. Dieses Vorgehen hat dem Land ermöglicht, Migration gezielter zu steuern – auch wenn die temporären Programme (Studenten, Arbeitsvisa) in Boom-Phasen zu hohen Nettozahlen führten.
Die aktuelle Umfrage unterstreicht, dass selbst in einem Land mit traditionell hoher Einwanderungsbereitschaft die Belastungsgrenze erreicht ist. Oppositionelle Stimmen wie Peter Dutton von der Coalition oder Pauline Hanson von One Nation fordern seit längerem deutliche Reduzierungen. Hanson betonte in Reaktion auf ähnliche Umfragen, dass Australier „die Nase voll haben“ und niedrigere Zahlen wollen.
Druck auf die Politik
Die Stimmung hat Konsequenzen. Umfragen wie die des Lowy Institute zeigten zuletzt ebenfalls mehr als die Hälfte der Befragten, die die Einwanderung als zu hoch einschätzen. Die Debatte dreht sich um Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen, Schulen und sozialen Zusammenhalt. Beide großen Lager – Labor unter Albanese und die Coalition – haben vor Wahlen Reduzierungen versprochen, etwa durch Kappen bei Studentenvisa und Anpassungen des permanenten Migrationsprogramms auf 185.000.
Dennoch bleibt der Widerspruch spürbar: Während die Bürger klare Signale senden, ringen Politiker mit wirtschaftlichen Interessen von Universitäten, Arbeitgebern und demografischen Argumenten. In Australien wird diese Spannung offener ausgetragen als in manchen europäischen Hauptstädten, wo Kritik schneller als „rechtsextrem“ abgetan wird.

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