Das umstrittene Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ist am 1. Mai vorläufig in Kraft getreten. Es soll den Export und Import von Waren erleichtern. Es geht vor allem um Industrieerzeugnisse wie Autos und Maschinen, die Europa nach Südamerika exportiert, und um den Import von Agrarprodukten, allen voran Rindfleisch, Sojaprodukte und Mais.
Ausschalten der Parlamente und Ignorieren des Europäischen Gerichtshofs
Die EU-Kommission setzt damit einen Pakt um, der noch gar nicht vom EU-Parlament freigegeben wurde und noch zur rechtlichen Prüfung vor dem Europäischen Gerichtshof liegt. Als Begründung gilt, dass Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay das Abkommen bereits ratifiziert haben.
Verbotene Pestizide wieder im Kommen
Und nun ist es einmal da, das Abkommen. Und mit ihm zahlreiche Pestizidwirkstoffe, die in Europa längst nicht mehr zugelassen sind. Von 523 in Südamerika verwendeten Pestizidwirkstoffen betrifft dies fast die Hälfte (256 von 523) wie der ORF jetzt, nach der politischen Auseinandersetzung, in einem ausführlichen Beitrag berichtete.
Dass diese Wirkstoffe dort im Einsatz sind und dass sie in Europa wegen Gefahr für die Gesundheit nicht verwendet werden dürfen, war auch schon vor der Ratifizierung des Vertrags bekannt. Bauernorganisationen haben immer wieder darauf hingewiesen.
Gefahr für Konsumenten und Bauern
Besonders kritisch wird es für den Genuss von Soja, Mais, Weizen und Reis. Denn diese Agrarprodukte können in Südamerika auch dank des Einsatzes der in Europa verbotenen Pestizide deutlich billiger hergestellt werden. Das Verschiffen nach Europa zahlt sich aus.
Serviert bekommen dies dann die europäischen Bürger. Zudem wird die Existenz der europäischen Bauern, denen diese Herstellungsmethoden verboten sind, gefährdet.
Atrazin als Beispiel für unterschiedliche Standards
Der ORF-Beitrag nennt als Beispiel das Herbizid Atrazin. In der EU ist es seit 2004 verboten, vor allem wegen Problemen mit Grundwasserkontamination.
Der EU-Grenzwert für Pestizide im Trinkwasser liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter. Als Atrazin in Europa noch zugelassen war, wurde dieser Wert in mehreren Ländern regelmäßig überschritten.
Zusätzlich gibt es gesundheitliche Bedenken. Atrazin gilt als hormonwirksame Substanz. Studien bringen den Wirkstoff mit Störungen des Hormonsystems, geringerer Fruchtbarkeit und Entwicklungsproblemen in Verbindung.
Gefahr nicht abschätzbar
Wie hoch das Risiko für europäische Verbraucher durch Mercosur-Lebensmittel ist, lässt sich schwer beantworten. Der Biodiversitätsforscher Franz Essl von der Universität Wien verweist auf mögliche Langzeitfolgen:
Es gibt da eine kumulative Wirkung – die Risiken steigen, je häufiger man diese Lebensmittel konsumiert.
Die Langzeitwirkungen von Pestiziden auf Biodiversität, aber auch auf die menschliche Gesundheit, seien aber oft nur schwer abschätzbar.
Dank geht an Regierung
Klar für das Mercosur-Abkommen sind die Neos, nach außen dagegen, abstimmend zumeist dafür sind ÖVP und SPÖ. FPÖ und Grüne sind entschieden dagegen.
EU verweist auf strengere Kontrollen
Brüssel versprach eine strenge Kontrolle der Importe aus den Mercosur-Staaten, das betrifft aber vor allem den Fleischimport.
Seit 2021 überprüft die EU-Kommission unter anderem Schlachtbetriebe in diesen Ländern. Bei bestimmten Produkten gelten erhöhte Kontrollquoten. Geflügel aus Brasilien wird physisch vollständig kontrolliert, Rindfleisch zu etwa 50 Prozent. Bei Risikoereignissen können Kontrollen ausgeweitet werden.
Ankündigungen wie Robin Hood
Zusätzlich soll eine eigene EU-Taskforce die Grenzkontrollen für Lebensmittelimporte aus den Mercosur-Staaten weiter verstärken. EU-Gesundheitskommissar Oliver Varhelyi hatte dazu angekündigt:
Wenn diese Pestizide aus Gründen des Gesundheitsschutzes in der EU nicht zugelassen sind, sollten sie auch nicht als Rückstände in unseren Lebensmitteln zu finden sein.
Verarbeitete Produkten
Kontrollen stoßen aber dort an Grenzen, wo Rohstoffe über Zwischenhändler laufen und in verarbeiteten Produkten landen. Das ist der Großteil der Agrarimporte.
Ein Greenpeace-Test aus dem Jahr 2025 zeigte, dass in Paprikapulver aus österreichischen Supermärkten Rückstände von 37 verschiedenen Pestiziden gefunden wurden. Darunter waren auch zwölf Wirkstoffe, die in der EU verboten sind.
POLITISCHE ANZEIGE der Fraktion Europa souveräner Nationen (ESN). Weitere Informationen: Transparenzbekanntmachung



