Das US-Justizministerium hat die Eliteuniversität Harvard verklagt. Der Vorwurf: Harvard verweigere die Herausgabe von Zulassungsdaten, mit denen überprüft werden soll, ob die Hochschule das vom Obersten Gericht untersagte „Affirmative Action“-Verfahren tatsächlich beendet hat.
Klage wegen verweigerter Zulassungsdaten
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, verlangt das Justizministerium detaillierte Datensätze zu Bewerbern der vergangenen fünf Jahre, darunter Noten, Testergebnisse, außerschulische Aktivitäten sowie Angaben zu ethnischer Zugehörigkeit und Aufnahmeentscheidungen.
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Weitere InformationenHintergrund ist das Urteil des Obersten Gerichthofs aus dem Jahr 2023, das eine Berücksichtigung der „Rasse“ im Zulassungsverfahren untersagt hatte.
„Warnsignal“ an Harvard
Wenn Harvard die Praxis beendet habe, müsste die Universität die Daten offenlegen, um dies zu belegen. Tat sie aber nicht, weshalb das Justizministerium nun die Herausgabe der Unterlagen einklagt. Denn Harvard habe die Ermittlungen „behindert“, heißt es in der Klageschrift.
Harvard widerspricht. Man halte sich an das Urteil und wehre sich gegen „vergeltende Maßnahmen“, die eingeleitet worden seien, weil die Universität ihre Unabhängigkeit nicht aufgebe. Die Klage sei Ausdruck einer politischen Einflussnahme.
Kulturkampf um gesellschaftlichen Umbau
Der aktuelle Rechtsstreit ist nur ein Kapitel des schon länger schwelenden Kulturkampfs über linke Gesellschaftspolitik, die sich in den USA in den Diversity-, Equity- und Inclusion-Programmen (DEI) darstellt.
Harvard galt über Jahre als Vorreiter des linken gesellschaftlichen Umbaus: Benachteiligung von weißen und asiatischen Studenten und Mitarbeitern, Bevorzugung neuer Geschlechter, Zwang zu Gendern auch in den Lehrinhalten.
Kosmetische Korrekturen
Nachdem diese Politik zunehmend auf Kritik stieß und dieser mit dem Wählerwillen der Amerikaner eine Abfuhr erteilt worden war, strukturierte Harvard mehrere Einrichtungen neu und fasste Diversitätsbüros organisatorisch zusammen – eine kosmetische Anpassung, mehr nicht.
Konservative Politiker warfen der Universität vor, trotz Gerichtsurteil weiterhin nach ethnischen Kriterien zu handeln. Harvard bestreitet dies.
Pentagon kappt akademische Beziehungen
Parallel verschärfte Verteidigungsminister Pete Hegseth den Ton. Das Verteidigungsministerium wird, wie von unzensuriert berichtet, ab dem Studienjahr 2026/27 keine neuen Offiziere mehr in Harvard-Programme entsenden. Militärische Graduiertenprogramme und Stipendien laufen aus.
Hegseth begründete den Schritt mit einem „fundamentalen Vertrauensverlust“. Zu viele Offiziere seien mit „globalistischen und radikalen“ Überzeugungen zurückgekehrt. Auf der Plattform X sprach er von einer „woken“ Ausrichtung der Universität, die nicht mehr mit den Bedürfnissen der Streitkräfte vereinbar sei. Damit endet eine jahrzehntelange Nähe zwischen linken Regierungen, Militär und Harvard.
Gerichte bremsen Regierung
Bereits zuvor hatte das Weiße Haus Forschungsgelder in Milliardenhöhe eingefroren und Visa-Regelungen verschärft. Harvard klagte – mit Erfolg. Ein Bundesgericht entschied, das Zurückhalten von 2,2 Milliarden Dollar verstoße gegen den Ersten Verfassungszusatz und stelle politische Vergeltung dar. Die Regierung legte Berufung ein.
Trump selbst forderte öffentlich eine Milliardenzahlung von Harvard als Bedingung für eine Einigung. Zudem erhob er schwere Vorwürfe wegen angeblichen Antisemitismus auf dem Campus.
Auseinandersetzung um Deutungshoheit
Der Konflikt ist mehr als ein Streit um Zulassungsstatistiken. Für die Regierung steht Harvard exemplarisch für eine linke Einrichtung, die sich ideologisch von der Mehrheit der Menschen entfernt habe. Für Harvard geht es – vordergründig – um akademische Autonomie und Schutz vor politischer Einflussnahme, aber auch um viel Geld und Macht in gesellschaftlichen Fragen.
Der neue Rechtsstreit dürfte sich über mehrere Instanzen ziehen.
