Omar Haijawi-Pirchner

Der ÖVP-nahe Omar Haijawi-Pirchner will künftig jene Strukturen beraten, die er bis vor kurzem selbst leitete. Das hat ein „Gschmäckle“.

8. Jänner 2026 / 09:05 Uhr

„Problematischer Drehtüreffekt“: Ex-Geheimdienstchef mit Sicherheitsfirma

Erst im September hatte Omar Haijawi-Pirchner seinen Rücktritt als Direktor der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) per Jahresende 2025 angekündigt. Wenige Tage aus dem Amt, meldet er sich auf der sicherheitspolitischen Bühne zurück.

Profiteur der ÖVP-Sicherheitspolitik

Diesmal als Unternehmer. Der 1978 geborene Spitzenbeamte hat eine Sicherheitsberatungsfirma gegründet, die Österreichs Behörden und Ministerien sowie internationale Institutionen zu Fragen des Staatsschutzes beraten soll.

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Aufhänger des neuen Karrierekapitels ist ein Mann, dessen Aufstieg eng mit der von der ÖVP komponierten Sicherheitsarchitektur verknüpft ist und dessen Abgang von offenen Fragen begleitet wurde.

Vom Landeskriminalamt an die Spitze des Staatsschutzes

Haijawi-Pirchner galt lange als Aushängeschild der Sicherheitsbehörden. Migrationshintergrund! Was für ein Karrieretreiber im heutigen Österreich.

Vor seiner Bestellung zum Geheimdienstchef leitete er das niederösterreichische Landeskriminalamt, wo ohne Rückhalt der ÖVP kaum Karriere zu machen ist.

Neuer Geheimdienst von ÖVPs Gnaden

Im Jänner 2020 wurde er schließlich zum ersten Direktor des neu geschaffenen österreichischen Geheimdienstes DSN ernannt. Davor hieß die Behörde Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Sie war nach Insidervorwürfen und einer Hausdurchsuchung, die der FPÖ angelastet werden sollte, in Verruf geraten. Federführend: ÖVP.

ÖVP-Parteinähe bekannt

Mit dem neuen Direktor hatte sie sich auch ein Standbein gesichert. Denn die behauptete parteipolitische Distanz des neuen Geheimdienstchefs hielt der öffentlichen Überprüfung nicht stand: Ein Foto aus dem Jahr 2020 zeigte ihn im ÖVP-Wahlkampf an der Seite von Familienministerin Susanne Raab, aufgenommen kurz vor den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich.

Im “ZiB2”-Interview spielte er sein ÖVP-Engagement herunter, beteuerte, er sei kein Parteimitglied, eine Darstellung, die FPÖ-Politiker später als Irreführung kritisierten.

Öffentliches Bekenntnis zur Volkspartei

Noch brisanter wurde die Causa durch ein Video des Regionalsenders N1-TV vor vier Jahren: Beim ÖVP-Neujahrstreffen sprach Haijawi-Pirchner offen in der „Wir-Form“ der ÖVP und bewarb die Partei als Kraft für „nachhaltige und moderne Politik“. Wörtlich sagte er:

Für das steht die ÖVP und das möchten wir heute den Bürgerinnen und Bürgern rüberbringen.

Für die Opposition war damit klar: Der Geheimdienstchef sei deutlich näher an der ÖVP, als er öffentlich zugeben wollte.

Rücktritt 2025 und die Islamisten-Affäre im DSN

Im September 2025 trat Haijawi-Pirchner überraschend zurück. Offiziell „auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen“ und elf Monate vor Ablauf seiner Funktionsperiode.

Der Rücktritt fiel zeitlich in die Eskalation der sogenannten „Islamisten-Causa“ im DSN: Mehrere Medien und Oppositionspolitiker thematisierten damals die mögliche Unterwanderung der Behörde durch Akteure aus dem radikal-islamistischen Milieu, darunter ein mutmaßlicher Muslimbruder.

Frage nach islamistischer Unterwanderung

Die FPÖ sprach von einem sicherheitspolitischen „Super-GAU“ und brachte den Abgang des DSN-Chefs mit der Affäre in Verbindung.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker stellte in den damaligen Aussendungen zwei zentrale Fragen: Habe Haijawi-Pirchner die islamistische Unterwanderung übersehen oder davon gewusst und nicht gehandelt? Diese Vorwürfe blieben politisch im Raum stehen, eine vollständige behördliche oder parlamentarische Aufarbeitung wurde bis Jahresende 2025 zwar gefordert, aber nicht abgeschlossen.

Drehtür-Debatte um neuen Beratungsjob

Und nun will Haijawi-Pirchner jene Strukturen beraten, die er bis vor kurzem selbst leitete und gleichzeitig im Innenministerium ein Projekt zur Evaluierung des Staatsschutzgesetzes übernommen hat.

Die FPÖ wirft ihm einen „Drehtüreffekt“ und Versorgungsposten auf Steuerzahlerkosten vor und spricht von „Postenschacher in Reinkultur“. Haijawi-Pirchner selbst hat die Kritik bislang nicht öffentlich kommentiert.

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