Wer in Wien erkrankt oder im Krankenhaus ein Kind zur Welt bringt, ist derzeit arm dran. Zwei Beispiele zeigen den Horror in den Spitälern.
“Frauen waren in den Zimmern regelrecht gestapelt”
Nach einem Blasensprung vorigen Freitag, 18. Juli, wurde Frau N. (Name der Redaktion bekannt) in ein Krankenhaus in Wien-Landstraße zugewiesen. Dort hat es sich so abgespielt, dass eine Schwester gegenüber der Patientin klagte:
In 34 Dienstjahren habe ich noch nie so etwas erlebt wie dieses Wochenende.
Frau N. erzählte, dass die Frauen in den Zimmern regelrecht gestapelt gewesen wären, Patienten abgewiesen werden mussten, weil man nicht einmal mehr Gangbetten zur Verfügung hatte. Sie habe in vier Tagen und Nächte null geschlafen – es wäre nicht einmal möglich gewesen, eine Aufzahlung zu tätigen, um in einem Einzelzimmer untergebracht zu werden.
Nach Verbrennung zweiten Grades im Gangbett aufgewacht
Nicht besser erging es Frau D. (Name der Redaktion bekannt), die sich ebenfalls an unzensuriert wandte, nachdem sie mit einer Verbrennung zweiten Grades ins SMZ-Ost eingeliefert, dort ohnmächtig wurde und dann inmitten von Chemo-Patienten in einem Gangbett aufwachte.
“Hacker ist zum Totengräber dieses Systems geworden”
Dass das Gesundheitssystem am Rande des Kollaps steht, ist mittlerweile auch zu FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp durchgedrungen. In einer Pressekonferenz kündigte er einen Misstrauensantrag gegen SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker in der Gemeinderatssitzung im September an. Wörtlich sagte Nepp:
Das Wiener Sozial- und Gesundheitssystem gerät immer mehr aus den Fugen – und Hacker trägt dafür die Verantwortung. Er ist zum Totengräber dieses Systems geworden. Jetzt braucht es endlich Konsequenzen.
Ein Jahr Wartezeit auf einfache Mandeloperation
Die Situation in den Wiener Spitälern spitze sich dramatisch zu. Seit Jahren wären zwischen 750 und 850 Spitalsbetten nicht belegt, weil das Personal fehle – das entspreche der Kapazität der gesamten Klinik Floridsdorf.
Zugleich würden etwa die HNO-Abteilungen in den Kliniken Hietzing und Favoriten geschlossen – ohne an anderer Stelle ausreichend Kapazitäten zu schaffen. Die Folgen seien untragbar: Mehr als ein Jahr Wartezeit auf eine einfache Mandeloperation, 32 Wochen auf eine Bandscheiben-OP, 38 Wochen auf ein neues Hüftgelenk, 39 Wochen auf einen Kniegelenks-Ersatz. Dazu kämen Gangbetten, Gefährdungsanzeigen und überfordertes Personal.
„Und was fällt Hacker dazu ein?“, fragte sich Nepp, um sich gleich selbst eine Antwort zu geben:
Er will Privatversicherungen abschaffen – obwohl diese das öffentliche System massiv entlasten. Ohne diese zweite Versorgungsschiene wäre Wiens Gesundheitssystem längst zusammengebrochen.