Taiwan hat vergangenen Sonntag die ersten 38 hochmodernen Abrams-Kampfpanzer des Typs M1A2 aus den USA erhalten. Insgesamt umfasst der Rüstungsdeal, der bereits 2019 vereinbart wurde, 108 Panzer im Wert von 1,1 Milliarden Euro – ein klares Signal Washingtons an Peking.
Taiwan: Ein Pulverfass in Ostasien
Wie der Spiegel berichtet, sind die modernen Abrams-Panzer die ersten neuen Panzer für Taiwan seit 30 Jahren und sollen die veralteten Modelle CM 11 Brave Tiger und M60A3 ersetzen, die bislang das Rückgrat der taiwanischen Bodenstreitkräfte bildeten. Damit stärkt die Regierung in Taipeh ihre Verteidigungsfähigkeit – und erhöht zugleich die ohnehin angespannte Lage in der Taiwanstraße.
Der Konflikt zwischen Taiwan und China hat in den vergangenen Jahren stark an Brisanz gewonnen. China betrachtet die demokratisch regierte Insel seit dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949 als abtrünnige Provinz, die früher oder später “wiedervereinigt” werden soll – notfalls mit militärischer Gewalt. Taiwan hingegen sieht sich als souveräner Staat und lehnt eine Einigung mit dem autoritären Festland strikt ab.
Chinas wachsender Druck und militärische Machtdemonstrationen
Die USA sind als Taiwans wichtigster Verbündeter und Waffenlieferant ein entscheidender Faktor in diesem geopolitischen Konflikt. Obwohl Washington offiziell die „Ein-China-Politik“ anerkennt, unterstützt es Taiwan faktisch mit militärischen und diplomatischen Mitteln, um die Insel vor einer möglichen Invasion zu schützen. In den vergangenen Jahren hat China die militärische Drohkulisse gegenüber Taiwan kontinuierlich ausgebaut.
Wie auch unzensuriert berichtete, führen chinesische Kampfjets, Drohnen, Kriegsschiffe und sogar Atombomber regelmäßig Manöver in der Nähe und im Luftraum der Insel durch. Pekings Botschaft ist unmissverständlich: Jede Annäherung zwischen Taiwan und dem Westen wird als Provokation gewertet. Die Lieferung der Abrams-Panzer dürfte in diesem Kontext als weiterer Affront wahrgenommen werden und die Spannungen weiter anheizen. Schon jetzt warnt China regelmäßig vor „Konsequenzen“ für die USA und Taiwan, sollte der Druck auf die Volksrepublik weiter zunehmen.
Symbol eines globalen Konflikts
Für die USA steht viel auf dem Spiel. Die Lieferung der Abrams-Panzer ist nicht nur ein militärisches, sondern auch ein politisches Signal. Washington will verhindern, dass China Fakten schafft und Taiwan militärisch erobert – ähnlich wie Russland in der Ukraine. Doch die USA bewegen sich auf einem schmalen Grat: Während sie die Verteidigungsfähigkeit Taiwans stärken, riskieren sie zugleich eine direkte Konfrontation mit China.
Der Konflikt in der Taiwanstraße ist längst zu einem Symbol für den globalen Systemkampf zwischen westlich-liberalen Demokratien und autoritären Regimen geworden. Taiwan steht nicht nur für die geopolitischen Interessen der USA, sondern auch für die westliche Vorstellung von Freiheit und Demokratie in einer Region, die zunehmend unter Chinas Einfluss gerät.