In einem Brief an die Leiterin des Muehl-Archivs, Daniele Roussel, entschuldigt sich der umstrittene Aktionskünstler erstmals für den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen.
Der Inhalt der Entschuldigung spricht Bände: „…die Stellungnahme der Jugendlichen damals im Gerichtssaal machte mich fassungslos. Ich wollte sie befreien und habe sie mit sexueller Überschreitung stattdessen überrumpelt und gekränkt. Es war auf keinen Fall meine Absicht. Ich hoffe, dass sie mir verzeihen …“
Auch Muehls Definition vom „Kunstaktionismus“ spricht jeglichen Grundwerten von Ethik und Moral Hohn: „Ich bringe die Darstellung der Opfer verdrängter Sexualität. Wird die Sexualität zu sehr verboten, ist der natürliche Weg verschüttet, sucht sich das Wasser andere Wege“.
In den 70er Jahren gründete Muehl die Kommune „Friedrichshof“ im Burgenland, in der die „freie Sexualität“ unter dem Motto „die schädliche Zweierbeziehung zu ersetzen“ gelebt wurde. In dieser Zeit entstand die Mehrheit der Werke, welche einen direkten Bezug für die seinerzeit missbrauchten Opfer, nämlich überwiegend Kinder, herstellen. Diese Bilder sind unter anderem auch im Leopold Museum zu sehen.
Schon sein Auftritt im Burgtheater am 11. Februar 1998 oder die ihm im Jahre 1998 und 2004 gewidmeten Ausstellungen im Museum für Angewandte Kunst (MAK), waren nicht unumstritten und sorgten für massiven öffentlichen Aufschrei. Muehl wurde 1991 zu sieben Jahre Haft verurteilt und hat diese auch verbüßt. An Parkinson erkrankt, lebt er nun in Faro (Portugal) ebenso in einer Kommune mit Erwachsenen und deren Kindern.