Das jahrzehntelang sozialistisch regierte Berlin ist zwar immer noch arm, aber für die meisten Deutschen inzwischen alles andere als „sexy“.

21. August 2026 / 11:54 Uhr

Nur noch 31 Prozent finden die Hauptstadt faszinierend – „Arm, aber sexy“ ist tot

Lange galt Berlin als eine der aufregendsten Städte Europas. Klaus Wowereit brachte das damalige Lebensgefühl als Regierender Bürgermeister mit der Formel „arm, aber sexy“ auf den Punkt. Inzwischen scheint dieses Bild erheblich an Glanz eingebüßt zu haben. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeichnet jedenfalls ein ernüchterndes Bild vom heutigen Ansehen der deutschen Hauptstadt.

Nur noch eine Minderheit ist begeistert

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Lediglich 31 Prozent der Befragten verbinden Berlin noch mit dem Bild einer faszinierenden Metropole. Gleichzeitig schreiben 36 Prozent der Hauptstadt nur wenig Ausstrahlung zu. Als Allensbach 2007 dieselbe Frage stellte, bezeichneten noch 66 Prozent Berlin als faszinierende Metropole. Nur 14 Prozent konnten seinerzeit keine besondere Ausstrahlung erkennen. Innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten hat sich das Verhältnis damit grundlegend verschoben.

Berlin fällt hinter Hamburg und München zurück

Auch im Städtevergleich muss die Hauptstadt Federn lassen. Wenn es darum geht, welche deutschen Städte einen besonderen Reiz ausstrahlen, liegen Hamburg und München deutlich vor Berlin. 48 Prozent nennen Hamburg, 47 Prozent München. Berlin erreicht lediglich 34 Prozent und kommt damit nur auf den dritten Platz.

Bei der Frage nach einem möglichen Wohnort fällt das Urteil noch härter aus. 46 Prozent der Befragten schließen Berlin als Wohnort ausdrücklich aus. Damit erreicht die Hauptstadt denselben Negativwert wie Frankfurt. Immerhin schafft es Berlin bei den bevorzugten Wohnorten noch auf Rang drei: 13 Prozent könnten sich ein Leben dort vorstellen. München kommt auf 24 Prozent, Hamburg auf 23 Prozent.

Vom Szene-Magneten zum Sorgenkind

Der legendäre Wowereit-Spruch spiegelte einst durchaus die Wahrnehmung vieler Menschen wider. Berlin galt als vergleichsweise günstig, unkonventionell und kulturell aufregend. In den darauffolgenden Jahren zog die Stadt zahlreiche Menschen an, gleichzeitig schossen die Wohnkosten nach oben. Auch die einst international gefeierte Club- und Kulturszene geriet zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.

Damit hat sich das Bild der Hauptstadt nachhaltig verändert. Was früher als Mischung aus niedrigen Kosten und aufregendem Großstadtleben gefeiert wurde, wirkt heute auf viele Menschen weniger attraktiv. Die neuen Umfragewerte zeigen zumindest eines deutlich: Der einstige Mythos Berlin hat für einen erheblichen Teil der Deutschen an Strahlkraft verloren.

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