Ungarns Oppositionsführer Péter Magyar gilt in der EU als Symbolfigur gegen Viktor Orbán: ein ehemaliger Fidesz‑Insider, der nun das System seines einstigen Mentor attackiert und mit seiner Partei Tisza die Parlamentswahlen am gestrigen Sonntag gewonnen hat. Doch hinter dem Bild vom „Retter“ taucht eine Vielzahl schwerer Vorwürfe gegen den designierten Ministerpräsidenten auf, die außerhalb Ungarns kaum in die Berichterstattung der Mainstream-Medien eingehen – von häuslicher Gewalt über Drogenverdacht bis zu Manipulation und Erpressung.
Schwere Vorwürfe von Ex-Frau
Die bekanntesten Anschuldigungen stammen von Magyars Ex‑Frau Judit Varga, jahrelang Justizministerin in Orbáns Regierung. In der öffentlichen Debatte nach der Scheidung wiederholte sie immer wieder, Magyar habe sie psychisch und körperlich misshandelt, ihre Familie bedroht und sie erpresst, als sie die Trennung angemeldet habe. In einem Polizeibericht aus dem Jahr 2020 heißt es, er habe sie am Verlassen der gemeinsamen Wohnung hindern wollen, ihr gedroht, „niemand werde ihr glauben“, und sie mit der Androhung eines Skandals terrorisiert, der die Regierung zu Fall bringen könne. Magyar selbst wies diese Vorwürfe stets zurück und bezeichnete sie als Teil einer politischen Kampagne; unbestritten ist jedoch, dass die Ehe im Umfeld von Gewalt‑ und Erpressungsbehauptungen zerbrach.
Brisantes Video und Kokain
Ein zweiter Strang der Vorwürfe dreht sich um Magyars Verhältnis zu einer früheren Freundin.
Es gab in den Medien Berichte über ein nicht publik gewordenes Sex‑Video, das in einer Wohnung in Budapest aufgenommen wurde, während ein privater Parteifeier lief. Augenzeugen berichteten, dass weißes Pulver (Kokain) auf dem Nachtkästchen im Schlafzimmer gelandet sei, nachdem es aus dem Wohnzimmer dorthin kam. Magyar bestätigte zwar, an diesem Abend mit seiner Ex‑Freundin Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, beteuerte aber, nie Drogen konsumiert zu haben, und sprach von einer Falle sowie einer Geheimdienst‑Kampagne gegen ihn. Gleichzeitig hat die Polizei nach Medienberichten Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Drogenbesitz eingeleitet – ein Punkt, der in der internationale Berichterstattung oft nur am Rande erwähnt wird.
Wie glaubwürdig ist der neue Ministerpräsident?
Politisch ist Magyar ein Extremfall: Er war lange eng mit dem Fidesz‑Apparat verbunden, profitierte von Insider‑Wissen und Netzwerken und gilt vielen als Insider‑Reicher, der in gekauften Geschäftsbeziehungen Vorteile zog. Heute positioniert er sich als moralische Instanz gegen Korruption, Amtsmissbrauch und Kindesmissbrauch, indem er unter anderem vertrauliche Berichte über Missbrauch in Kinderheimen veröffentlicht. Doch diese Rolle kollidiert mit den Vorwürfen, die ihn in der eigenen Familie und in privaten Beziehungen treffen – und die in vielen Medien entweder tabuisiert, runtergespielt oder als „rein politischer Schmutz“ abgetan werden.
Für Péter Magyar gilt natürlich die Unschuldsvermutung.


