Die EU-Kommission hat am Dienstag klar gemacht, wo die Reise hingeht: Die Europäer sollen wieder häufiger von zu Hause aus arbeiten. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat nach einem außerordentlichen Treffen der 27 Energieminister die Mitgliedstaaten aufgefordert, genau das zu fördern, zusammen mit weniger Autofahren, langsameren Geschwindigkeiten und reduzierten Flugreisen. Die Begründung: Die Lage durch den Iran-Krieg sei „sehr ernst“. Selbst wenn morgen Frieden herrsche, werde es keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben, so der Kommissar.
Brüssel setzt auf Verzicht statt Lösung
Jørgensen beruft sich dabei auf Empfehlungen der Internationalen Energieagentur IEA. Mehr Homeoffice soll den Spritverbrauch senken, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrgemeinschaften stärken. Ein umfassendes Maßnahmenpaket der Kommission soll in Kürze folgen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Langfristig setzt Brüssel, nach eigenen Angaben, auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Konkrete Beschlüsse gab es beim Ministertreffen nicht, nur Appelle an die Mitgliedstaaten.
Nach Corona die nächste Runde der Gängelung
Wer die letzten Jahre beobachtet hat, dem kommt das bekannt vor. Nach den Corona-Lockdowns, die das Leben der Bürger monatelang eingeschränkt haben, jetzt der nächste große Eingriff: diesmal nicht wegen eines Virus, sondern wegen der Energiekrise, die durch den Konflikt im Nahen Osten erneut hochkocht. Die Eliten in Brüssel greifen mit Maßnahmen, die symbolisch wirken und deren reale Wirkung fraglich bleibt, tief in den Alltag ein. Während die Bürger auf Homeoffice, langsameres Fahren und Verzicht umgestellt werden sollen, bleiben die großen Fragen nach Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von anderen Kontinenten ungelöst.


