Der Krieg gegen den Iran hat massive Auswirkungen auf die Struktur der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. Wie genau der Konflikt im Nahen Osten auch die Bundesrepublik und seine Nachbarn betrifft, erklärte ein Experte gegenüber unzensuriert.
Eskalation treibt Inflation in die Höhe
Laut dem Beirat von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) könnte die Inflation in Deutschland bis zur Jahresmitte aufgrund des Anstiegs der Energiepreise deutlich steigen. Sollten die Energiepreise auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnte die Inflationsrate von derzeit 1,9 Prozent auf 3,5 Prozent steigen. Laut den Beratern handelt es sich hierbei um eine Projektion, nicht um eine Prognose. Andere Ökonomen gehen sogar von noch düsteren Szenarien aus. Thorsten Schmidt, Leiter der Wirtschaftsforschung am LBI-Leibniz-Institut, sagte der Rheinischen Post, dass die Inflation im Falle eines länger andauernden Krieges auf bis zu sechs Prozent steigen könnte.
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Weitere InformationenLanger Krieg sorgt für harten Winter
Der hohe Ölpreis treibe somit die Verbraucherpreise langfristig nach oben. Sollte dieses Szenario eintreten, prognostiziert Schmidt ein Ende des Wirtschaftswachstums in Deutschland und das vierte Rezessionsjahr. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland über kein strategisches Gasreserveanalog zur Ölreserve verfüge und die Speicherkapazität nur bei 20 Prozent liegt, scheine das Szenario wahrscheinlich, dass Berlin seine Gasspeicher bis zum Winterbeginn nicht füllen könne. Die Deutschen müssten sich daher auf einen kalten Winter vorbereiten, sollte der westliche Krieg gegen Iran lange andauern.
Iraner in Deutschland tief gespalten
Derzeit leben 319.000 Menschen iranischer Herkunft in Deutschland. Damit bilden sie die größte iranische Gemeinschaft in Europa. Die meisten würden aus der ehemaligen, pro-westlichen intellektuellen Elite Irans stammen oder seien deren Nachkommen. Hunderte Iraner gingen beispielsweise in Hamburg auf die Straße, um gegen die Islamische Revolution zu protestieren. Die Bewegung sei jedoch tief gespalten: Einige würden eine militärische Intervention der USA und Israels befürworten, während dies für andere iranische Exilanten zu weit gehe.
Wo stehen die Iraner in Deutschland?
Unter ihnen seien die Anhänger von Reza Pahlavi (dem ältesten Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, Mohammad Reza Pahlavi) strukturell und medial am besten organisiert. Sie würden sich für die Wiederherstellung der iranischen Monarchie und die geopolitische Ausrichtung des Landes an den Westen einsetzen, so der Experte. Die von der Islamischen Revolution gestürzte Pahlavi-Regierung sei bekannt für ihren repressiven Modernisierungskurs, der die Reichen in den Städten bevorzuge und die armen ländlichen Bevölkerung vernachlässige. Die meisten Iraner in Deutschland – darunter auch einige Unterstützer der Volks-Mudschahedin, einer marxistischen Bewegung mit Verbindungen zu Washington – würden als überwiegend anti-islamisch gelten.
Pro-iranische Moslems im Visier der Behörden
Moslems in Deutschland, die pro-iranisch oder solidarisch mit den Palästinensern sind, würden hingegen vom deutschen Staat politisch verfolgt. Die kleine Minderheit der theokratisch orientierten Iraner in Deutschland sei seit dem Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg zunehmend marginalisiert worden. Laut dem Islamwissenschaftler Rauf Ceylan organisiert sie sich seitdem dezentral. Außerdem seien viele Fälle bekannt, in denen Iraner angesichts des Kriegsausbruchs in ihre Heimat zurückkehrten, um ihre Familien zu unterstützen. Laut Ceylan erscheine eine Radikalisierung von Iranern in Deutschland hin zu Gewalt nur wahrscheinlich, wenn die Islamische Revolution in Iran gestürzt wird.
