Christoph Wiederkehr

Aus allen Richtungen hagelt es Kritik an der Reform von Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Auch aus der linken Ecke.

28. Feber 2026 / 07:53 Uhr

Rote Karte für Wiederkehr: Expertengruppe verweigert Latein-Kahlschlag

Der Versuch von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos), den Lateinunterricht in der AHS-Oberstufe drastisch zu kürzen, ist vorerst gescheitert – und zwar an seiner eigenen Expertengruppe.

Rücktritt der Experten

Jene sechsköpfige Lehrplangruppe, die im Auftrag des Ministeriums eine Reduktion von zwölf auf acht Wochenstunden ausarbeiten sollte, ist gestern, Freitag, geschlossen zurückgetreten.

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Für FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl ist klar: „Jetzt zeigt Neos-Bildungsminister Wiederkehr sogar die von ihm selbst eingesetzte Expertengruppe die Rote Karte.“ Das Debakel könne „nur eine Konsequenz haben: nämlich das sofortige Aus für seine bildungspolitische Geisterfahrt bei den Lehrplänen!“

Geplanter Umbau: Weniger Latein, mehr KI

Wiederkehr plante, in den Gymnasien Stunden aus dem Lateinunterricht abzuziehen, um Platz für Informatik, Künstliche Intelligenz sowie das neue Fach „Medien und Demokratie“ zu schaffen. Latein sollte faktisch um ein Drittel gekürzt werden.

Ein traditionsreiches Grundlagenfach sollte zugunsten modischer Kompetenzrhetorik zurückgedrängt werden. Für Brückl wäre das „ein massiver Rückschritt und ein Anschlag auf die Bildungschancen unserer Jungen“. Latein vermittle „grundlegendes Sprachverständnis, logisches und analytisches Denken sowie Textverständnis“. Wer diese Fähigkeiten schwäche, entziehe den Schülern auch die Basis für den reflektierten Umgang mit KI.

Kein Feigenblatt für die umstrittene Kürzung

Dass nun ausgerechnet die vom Ministerium eingesetzte Lehrplangruppe geschlossen das Mandat zurücklegte, ist nichts anderes als ein Misstrauensvotum. „Selbst Expertengruppe glaubt nicht an Wiederkehr-Reform“, kommentierte FPÖ-Niederösterreich-Bildungssprecher Helmut Fiedler.

Statt einer unabhängigen fachlichen Prüfung wirkt der Vorgang wie der Versuch, eine politische Entscheidung durch eine externe Beratergruppe legitimieren zu lassen. Doch diese habe sich offenbar nicht dazu bereitgefunden, einfach Wiederkehrs Wunsch umzusetzen.

Prominenter Widerstand aus Kultur und Wissenschaft

Zusätzlichen Gegenwind erhält der Minister aus Kunst und Wissenschaft. In einer Petition warnen prominente, ja überraschend vor allem linke Unterzeichner – darunter Elfriede Jelinek, Peter Handke, Anton Zeilinger und Heinz Fischer – vor einem „grundsätzlichen Angriff auf die geistige Substanz“ des Bildungssystems.

Latein schult Denkfähigkeit

„Wer Latein marginalisiert, schwächt bewusst jene Fähigkeiten, die eine demokratische Gesellschaft dringend braucht: strukturiertes Denken, sprachliche Präzision, historische Urteilskraft“, heißt es im Aufruf. Mit den Lateinstunden werde „nicht Stoff gestrichen, sondern Denkfähigkeit – und das sei gerade im Zeitalter Künstlicher Intelligenz fatal“. Ohne historisch und logisch geschultes Denken werde KI „zur Black Box für Unmündige“.

Für die Initiatoren ist die Reduktion „pädagogisch unhaltbar und fachlich unredlich“.

„Was verbessert sich eigentlich?“

Fiedler bringt die zentrale Frage auf den Punkt: „Mit der Abschaffung von Latein verbessert sich eigentlich was genau? Diese Antwort ist der Minister bis heute schuldig.“

Statt Profilbildung und Leistungsorientierung drohe eine Nivellierung des Gymnasiums.

Das Gymnasium muss als klare Leistungsschule mit verbindlichen Standards und anspruchsvollen Schwerpunkten positioniert sein. Statt Kompetenzfloskeln braucht es Mut zu Profilbildung, Tiefgang und Leistungsorientierung.

Politische Zukunft der Reform offen

Wiederkehr will sich aber nicht beirren lassen. Sein Ministerium hält am Zeitplan für die Bildungsreform fest. Doch nach dem geschlossenen Rücktritt der Experten steht das Projekt nur noch auf sehr wackeligen Beinen und der Minister selbst noch mehr unter Druck.

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